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Polizei

Embe Kandolo in seinem Büro - ©Magdalena Possert für fresh Magazine

Embe Tonton Kandolo ist der erste schwarze Polizist Wiens

Er ist der erste schwarze Polizist Wiens. Embe Tonton Kandolo ist 1976 in Wien geboren. Seine Eltern sind aus dem Kongo. Seit 2003 ist Kandolo bei der Polizei. Dienstort: 21. Bezirk

1. Was macht ein Polizist wie Sie eigentlich?

Ich bin Ermittler im Kriminalreferat und mache alles was im Kriminaldienst in einer Polizeiinspektion anfällt. Da geht’s um die Schwerpunkte Streife, Einbruchsdiebstähle, Fahndungen und auch Fremdenrechtsangelegenheiten.

2. Wie kommt man vom Mechatroniker zum Polizisten?

Ich habe immer gern Anderen geholfen. Das war schon beim Bundesheer so. Von 1997 bis 2003 war ich aktiver Soldat mit Auslandseinsätzen im Golan und im Kosovo. Danach war ich Justizwachebeamter in Stein. Die Erfahrungswerte möchte ich nicht missen, aber die Polizei ist für mich einfach der Punkt auf dem i.

3. Wie haben die Kollegen auf Sie reagiert?

Viele mussten mich erst kennenlernen. Das beruhte aber auf Gegenseitigkeit. Die Zusammenarbeit funktioniert. In einer Amtshandlung sind wir eine Gemeinschaft. Wenn mir gegenüber jemand aggressiv wird, geht das auch gegen den Kollegen. Und manche mussten sich halt mehr fotografieren lassen, wenn wir gemeinsam auf Streife waren. Daran muss man sich erst gewöhnen.

4. Haben Sie Rassismus erlebt?

Nein. Aber ein Teil der Bevölkerung war der falschen Meinung, dass ich Polizist für die afrikanische Community geworden bin. Und ein Teil in der Polizei hat geglaubt, dass die Polizei extra jemanden geschaffen hat, der aufzuzeigen soll, dass sie keine Rassisten sind.

5. Wie haben Leute auf der Straße reagiert?

Passanten, die Hilfe suchen, ist es egal von wem die Hilfe kommt. Der kleine Prozentsatz, der sagt „jetzt gibt’s auch schon Afrikaner und Türken in der Polizei“, den gibt’s sowieso.

Positives Feedback hat es sehr viel gegeben. Leute haben gesehen, dass Afrikaner nicht nur Drogendealer sind.

6. Wie präsent ist der „afrikanische Drogendealer“ in ihrer Arbeit?

Sehr präsent. Ich bin selbst auch sehr vielen Afrikanern hinterhergelaufen und hab sehr viele eingesperrt. Und ich hab auch kein Problem damit. Mir geht es nicht um Herkunft, sondern um das Delikt. Man hatte mir auch schon vorgeworfen, ich sei ein Rassist und würde Menschenjagd auf Afrikaner machen.

7. Hatten Sie das Gefühl, dass Sie sich mehr beweisen müssen?

Am Anfang nicht. Die Medien haben mir das dann aber erschwert. Dadurch musste ich mich beweisen und zeigen, dass es nicht darum geht mich zu präsentieren. Ich musste zeigen, dass ich auf der Straße genauso meine Amtshandlungen mache wie jeder andere.

8. Wie stark geht Ihnen das Medieninteresse auf die Nerven?

Es geht mir nicht auf die Nerven. Man kann die Medien auch ganz gut nutzen. Vielleicht schafft man es ja auch das Richtige zu vermitteln. Es gibt Amtshandlungen, die fehlgelaufen sind. Aber nicht jede fehlgelaufene Amtshandlung hat mit Rassismus zu tun. Wir hätten genug Leute, wenn die Medien nicht präsentieren würden, dass es für Schwarze in der Polizei
unmöglich ist.

9. Wie haben Sie sich gefühlt als bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt vor einigen Jahren eine jubelnde Menge auf Sie zugekommen ist?

Wenn Hunderte Menschen auf einen zukommen, dann ist es auch schwierig für die Kollegen. Es hat kurze Unruhe in den Reihen gegeben. Durch die Lautstärke wussten wir zuerst nicht, ob die Demonstranten schreien oder jubeln. Dann haben wir gesehen, dass die Fotos machen wollen. Wir haben Fotos gemacht und Hände geschüttelt. Vielleicht hat es genau das gebraucht.




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