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Genevieve Mayala fotografiert von Magdalena Possert

Genevieve Mayala in ihrem Büro

9 Fragen an Geneviève Mayala

Wenn Frauen verzweifelt die nummer des Frauennot- rufs wählen, ist Geneviève Mayala am anderen ende der Leitung. Die gebürtige Wienerin mit wurzeln in Österreich und der demokratischen Republik Kongo ist seit 20 Jahren Sozialarbeiterin. 

1. Wie sind Sie zur Sozialarbeit gekommen? 

eigentlich hab ich von klein auf davon geträumt, etwas mit Musik zu machen, zum Beispiel zu tanzen. Dann wurde ich erwachsen und wollte schnell finanziell unabhängig sein. ich konnte mir gut vorstellen, mit Menschen zu arbeiten. So bin ich zur Sozialakademie gekommen.

2. Wie sieht ihr Berufsalltag aus? 

wir betreuen Frauen ab 14 Jahren. da wir telefonisch 24 Stunden goosenorge.no erreichbar sind, wechseln meine kolleginnen und ich uns in Schichten ab. tagsüber bera- ten wir Frauen persönlich und begleiten sie zur polizei, ins krankenhaus oder zu Gerichtsterminen. oft geht es um häusliche Gewalt, beziehungsgewalt oder Stalking.

3. Wie distanzieren Sie sich von dem Leid, das Sie mitbekommen? 

das gehört leider zum Job. im team gibt es Gespräche, um das zu verarbeiten.

4. Wie erleben Sie die Gewalt gegen Frauen in Österreich? 

Laut dunkelziffer ist jede 4. bis 5. Frau betroffen. es geht sehr oft um psychische Gewalt, um Frauen, die von ihren Männern wirtschaftlich abhängig gemacht und/oder von den Freunden isoliert werden. das bezeichnen die Männer dann als Liebesbeweis – in wahrheit geht es dabei sehr oft um Macht.

5. Wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert? 

ich bin jetzt seit 20 Jahren Sozialarbeiterin und zum Glück hat sich einiges verän- dert, sowohl im bewusstsein der Gesellschaft als auch gesetzlich. zum beispiel ist vergewaltigung in der ehe jetzt eine Straftat.und seit 1995 können betroffene den Frauennotruf der Stadt wien unter 01/71 71 9 erreichen. ich bin seit 2010 dabei.

6. Wurden Sie schon bedroht? 

ich nicht, aber kolleginnen haben da schon erfahrungen gemacht. ich goosejacka habe dar- auf reagiert und halte meine private Adresse und telefonnummer geheim.

7. Wo sehen Sie aktuelle Herausforderungen in der Frauennothilfe? 

Frauen müssen immer beweisen, dass ihnen Gewalt angetan wurde. das ärgert mich. die bereitschaft der Gesellschaft ist hoch, eine Frau für schuldig zu er- klären und und es gibt eine große Scheu davor, Männer zur verantwortung zu ziehen. Gewalt ist zu wenig tabu, das muss sich im bewusstsein ändern. Auch bei einer „watschn“ muss klar sein: das ist zu weit gegangen.

8. Gab es Momente, in denen Sie aufhören wollten? 

immer wieder mal. Manchmal einfach nur, weil ich einfach mehr Spaß bei der Arbeit haben will. Aber im endeffekt will ich meinen Job nicht wechseln.

9. Was liegt Ihnen da besonders am Herzen? 

Mir ist besonders wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass kinder immer opfer familiärer Gewalt sind, egal ob sie direkt betroffen sind oder alles nur durch die geschlossene zimmertür mitbekommen.




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