Dominik Hufnagl fotografiert von ©Philipp Horak

Dominik Hufnagl fotografiert von ©Philipp Horak

Dominik Hufnagl: „Ich war ein fauler Junge“

Er ist 17 Jahre alt, im Maturajahr und eines der größten nachwuchstalente im Leichtathletiksport – Dominik Hufnagl hat ein bewegtes Leben. Im Jahre  2013 gewann er den staatsmeistertitel über 400 Meter und belegte bei den Olympischen Jugendspielen in Utrecht auch noch den zweiten Platz im 400 Meter-Hürdenlauf. Mit fresh sprach Dominik Hufnagl über leere tribünen, Missstände an den austragungsorten und darüber, was ihn mit komasäuferinnen verbindet. 

Im August 2014  bist du bei den Olympischen Ju­gendspielen in Nanjing auf dem 7. Platz gelan­det. Warst du stolz oder enttäuscht?
Ich war zwei tage davor mit 39 Grad Fieber im bett. Sonst wäre es der dritte bis fünfte platz geworden. Ich kann es zwar nicht nur darauf schieben, aber es war eine schlechte Ausgangssituation. Wichtig ist, dass ich trotzdem gelaufen bin. Am Ende wurde es leider nur der siebente platz. In Selbstmitleid versinken kann ich deshalb aber auch nicht.

Du wirkst in vielen Interviews dennoch ziem­lich selbstkritisch …
Ich bin eher schüchtern und sehe die Dinge immer kritisch. Kurz nach dem Wettkampf waren meine Laune und meine Gesundheit im Keller und ich fand es einfach scheiße. Jetzt weiß ich, es war in der Situation alles, was ich geben konnte und Finale ist Finale. Jetzt kann ich sagen: „ich bin der Siebtbeste der welt!“

Du hast schon einiges erreicht. Was fühlt sich bis jetzt als dein größter Erfolg an?
Utrecht war mein erster internationaler wettkampf – außer in Österreich, Ungarn oder München war ich davor noch nirgends dabei. Es war etwas ganz besonderes, weil dieser olympische Gedanke dabei war. Aber auch Nanjing war eine schöne Erfahrung.

Jetzt bist du langsam aus dem Alter für die olympischen Jugendspiele draußen – geht’s 2016 zu den olympischen Sommerspielen nach rio? 
Nein, das wird sich nicht ausgehen. in Sportarten wie Schwimmen und turnen ist man schon mit zirka 18 top. in der Leichtathletik ist man körperlich erst mit
23 richtig gut dabei. da ist tokyo 2020 schon deutlich realistischer oder erst 2024. Aber olympia ist auf jeden Fall das ziel.

Auf deinen vielen reisen hast du bestimmt einiges erlebt. Was hat dich am meisten beeindruckt oder schockiert?
China und Aserbaidschan fallen mir da als erstes ein. In Aserbaidschan zum beispiel merkt man, dass Geld da ist, allerdings bei den falschen Leuten. Die Busroute vom Athletendorf ins Stadion führte nur durch die schönen Straßen. Als ich in die Seitengassen geschaut habe, habe ich andere dinge gesehen. Da lernt man seinen Lebensstandard richtig zu schätzen. In china gibt es 20-stöckige Plattenbauten. Wir haben in einem neuen Stadtteil mit riesigen boulevards gewohnt. Man hat gemerkt, dass er extra für uns gebaut worden ist. Ich war nach den zwei Wettkampftagen unterwegs und auch dort haben die Seitengassen anders ausgesehen. Tür an Tür, die Kinder spielen auf der Straße, es laufen Hühner herum und eine katze sitzt im Hamsterkäfig – sehr heruntergekommen.




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