AdamsBodomo-ChairAfro

Professor Adams Bodomo, University of Vienna ©http://www.chinaafricaproject.com

Nach 650 Jahren Existenz ernennt Universität Wien ihren ersten Schwarzen Professor

Im Jahre 1736 war Anton Wilhelm Amo der erste Afrikaner, der in einer deutschen Universität, der Universität Halle, lehrte. Er kam aus der damaligen Goldküste, dem heutigen Ghana. In den nächsten Tagen wird eine weitere deutschsprachige Universität eine wichtige Seite der afrikanischen Geschichte in Europa schreiben. Die Universität Wien ist die älteste Universität im deutschen Sprachraum. 1365 gegründet, feiert sie ihren 650. Geburtstag dieses Jahr. Es ist eine der größten Universitäten in Europa und auch einer der renommiertesten, vor allem in den Geisteswissenschaften. Die Universität Wien zählt 15 Nobelpreisträger. Dies ist das Umfeld, in dem ein anderer Afrikaner „aus der afrikanischen Region von Ghana“, wie er zu sagen pflegt, in die Geschichte eingehen wird. Univ. Prof. Dr. Adams Bodomo wird Leiter des Instituts für Afrikawissenschaften. Er ist nicht nur der erste Schwarze im deutschen Sprachraum in einer solchen Position, sondern überhaupt der erste Schwarze Professor in der gesamten Universität Wien. Seine Antrittsvorlesung findet am 10. Juni 2015 statt. Die Hochschulen im deutschsprachigen Raum müssten sich selbst und der Welt erklären, wie es dazu kommt, dass es keine Schwarzen in einer solchen Position gibt. Könnte der vorherrschende Rassismus eine Erklärung dafür sein? Schließlich haben diese Universitäten im Laufe der Jahrzehnte eine beträchtliche Anzahl von afrikanischen WissenschaftlerInnen ausgebildet, die ihr Studium mit Auszeichnung abgeschlossen haben. Der kamerunische Journalist simon INOU traf Professor Bodomo für ein exklusives Interview vor seinem Vortrag.

 

Professor Bodomo, im Jahre 2013 sind Sie nach Österreich gekommen. Nach zwei Jahren in Wien, sind sie schon ein Wiener?

Wie definiert man einen Wiener? Ich liebe diese Stadt und wenn ich Wien in zwei Wörtern beschreiben könnte, würde ich sagen, dass es eine vollständige Stadt ist. Eine vollständige Stadt, wenn wir von Jobs, Leben, Interaktionen, … sprechen.

Fühlen Sie sich wohl in eine Stadt mit einer kleinen afrikanische Community?

Ja, Sie haben recht, die Community ist klein. Allerdings das ist es eine lebhafte und dynamische Community.

Nächste Woche werden Sie Ihre Antrittsrede halten. Das Thema lautet „African Languages, Linguistics, and Literature: Exploring Global Interdisciplinary Research Trends in the Humanities”. Was werden Sie den ÖsterreicherInnen und dem internationale Publikum sagen?

Zuerst möchte ich mich bei der Universität Wien für die Förderung der Afrikawissenschaften in Österreich bedanken. Nicht nur die afrikanischen Sprachen sondern die afrikanischen Kulturen sind ein sehr wichtiger Teilaspekt, auch jenseits der Geisteswissenschaften Wichtig dabei ist es zu verstehen, dass wir es nur verstehen können, wenn wir das Wissen vernetzt betrachten. Meine Botschaft wird sein, die Fachrichtungen in den Geisteswissenschaften stärker zu vernetzen und interdisziplinär zu betrachten, wenn wir unsere Heutige Welt verstehen wollen.

In der 650-jährigen Geschichte der Universität Wien – die älteste im deutschsprachigen Raum – sind Sie der allererste Schwarze Wissenschaftler aus einem afrikanischen Land…., der Lehrstuhlinhaber sein wird. Was bedeutet dieses Symbol für Sie?

Ich bin jetzt sehr überrascht. Ich habe es nicht gewusst. Das ist nicht eine persönliche Ehre sondern eine Ehre für die ganze Arbeit der african Communities, die, wie ich es gehört habe, eine wichtige Vorarbeit zur Verlinkung der Communities mit der österreichischen Gesellschaft geleistet hat. Ich sehe meine Berufung als Kontinuität. Mit meiner Ernennung erkennt die Universität Wien Afrika und AfrikanerInnen als wichtigen Bestandteil ihrer Gemeinschaft an. Ich werde meine Position nutzen, um Afrika und afrikanische Themen zu fördern. Aber auch um ÖsterreicherInnen zu ermutigen, Afrika als Teils ihres Alltagsleben zu betrachten.

In den Afrikawissenschaften gibt es viele Denkschulen. Eine dieser ist die Afrozentrizitätsschule von Molefi Kete Asante. Die Theorie und Praxis der Afrozentrizität, die auf den wissenschaftlichen Arbeiten von Cheikh Anta Drop aus dem Senegal zurückgreift, stellt die AfrikanerInnen als Subjekte ihrer eigenen Geschichte in den Fokus. Wie stehen Sie dazu?

Die Afrozentrizität ist ein sehr wichtiger Aspekt der Geisteswissenschaften geworden. Ich respektiere diese Denkschule. Das ist eigentlich ein normaler Prozess. Wenn wir einen Teil der Welt studieren, ist die Weltsicht der Angehörigen dieses Teils der Welt entscheidend. Wir können Sie nicht vernachlässigen. Es ist ein normaler Prozess. Ich betrachte die Dinge aus der afrikanischen Perspektive, aber auch aus einer globalen Perspektive. Heutzutage ist es wichtig zu studieren, wie andere außerhalb Afrikas den Kontinent betrachten. Eine fachübergreifende Perspektive muss her, um die Afrikawissenschaften zur Gänze zu verstehen.

Eine andere Denkschule ist der Afropolitanismus…

Diese sind alle Trends. Zu allen Zeiten war Afrika ein Kontinent in Bewegung. Der Afropolitanismus ist ein In-der-Welt-Sein, das aus Prinzip jegliche Form der Opferidentität ablehnt. Der Afropolitanismus betrachtet die Dinge in einer globalen Perspektive, da AfrikanerInnen oder Menschen afrikanischer Herkunft unterschiedliche Erfahrungen haben, die Afrika als Kontinent und deren Diaspora bereichern.

Aber glauben Sie nicht, dass wir als Afrikaner durch Fremdblicken gelitten haben und jetzt einen eigenen Blick auf dieser Welt verdient hätten?

Ja, doch und das ist Fair. Zunächst sollten wir Afrika Priorität einräumen. Wir müssen natürlich etwas von uns aus und für uns tun. Wir müssen unsere eigene Zukunft selbst gestalten. Wir sollten nicht vergessen, wie der Rest über uns denkt und wie wir auch über die Interaktion mit dem Rest der Welt agieren bzw. reagieren sollten. Das sind Herausforderungen unserer Zeit. Dafür würde ich für einen globalen interdisziplinären Ansatz plädieren und argumentieren.

Sie haben in China gelebt und jetzt sind Sie in Europa. Beide gehen in ihrer Politik der Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika anders um. Was können Sie uns sagen?

Zu lange waren wir auf der Empfänger-Seite. Ich bin nicht gegen Philanthropie. Wenn irgendein reicher Mann oder Frau Geld hat und in Afrika investieren will, können wir es nicht verhindern. Zuerst müssen wir uns selbst helfen, bevor uns geholfen wird. Wir müssen aus dieser Entwicklungshilfe Mantra herauskommen.

Vor fünf Jahren schrieben Sie eine bahnbrechende Studie über die Überweisungen aus der afrikanischen Diaspora nach Afrika. Was wollten Sie damals der Welt über diese Gemeinschaft erzählen?

Ich bin sehr stolz auf die afrikanische Diaspora, weil sie wirklich an der Entwicklung Afrikas beteiligt ist. Unsere Überweisungen allein bilden eine der größten Beiträge zur Entwicklung Afrikas. Dies ist ein Beispiel und eine Alternative zu Entwicklungshilfe. Unsere eigene Entwicklung hängt von uns ab und nicht von den anderen. Das ist, was ich der Welt sagen wollte.

In der Welt heute haben wir den Eindruck, Afrika spielt nur eine passive Rolle. Sagen Sie mir, warum irgendjemand Afrikawissenschaften studieren sollte?

Vielen Dank für diese grundlegende Frage. Denn Afrika ist ein Kontinent, der mehr und mehr wächst. Und dieser Kontinent wird immer wichtiger. In 20 bis 30 Jahren wird unsere Bevölkerung, genauso wie unser Markt, nicht mehr ignoriert, Sie werden heute nicht ignoriert, aber sie werden in Zukunft viel wichtiger sein. Afrika wird eine Schlüsselrolle bei allen Aspekte der Weltwirtschaft, Politik, Sport und Kultur spielen. Wie kann man fast 1/5 der Menschheit ignorieren? Das ist einer der Gründe, warum ich Lust habe, junge Menschen und alle Neugierigen aus allen Teilen der Welt einzuladen, sich mit Afrika zu beschäftigen. Die Zeit von Afrika steht vor der Tür.

Was verstehen Sie unter Afrikawissenschaften?

Die Afrikawissenschaften sind ist ein interdisziplinäres Gebiet, mit Afrika als Hauptfokus. Diese Wissenschaft versucht Afrikanische Kulturen, Menschen, Sprachen, … durch Beschreibungen, Forschungen und Analysen zu verstehen. Wichtig dabei ist die Vernetzung Afrikas mit dem Rest der Welt und seiner Diaspora.

Als neuer Wiener, wie gefällt Ihnen die Wiener Küche?

Am Anfang war es wirklich eine Herausforderung. Ich mag „Gulasch“. Das ist mein Lieblingsgericht. Ich habe das Nationalgericht „Wiener Schnitzel“ versucht, aber ich bevorzuge „Gulasch“.

Haben Sie etwas in Ghana wie „Gulasch“?

„Gulasch“ ist nur Rindfleisch-Eintopf, und wir lieben Rindsgulasch in Ghana.

Vielen Dank für das Interview

Danke  auch

———-

———-

———-

——–

  • Seit September 2012 ist Dr. Chibueze Udeani Lehrstuhlinhaber für Missionswissenschaft und Dialog der Religionen an der Universität Würzburg.



There are no comments

Add yours