Marie-Edwige Hartig ©Privat

Marie-Edwige Hartig ©Privat

Wahlen in Oberösterreich: Interview mit Marie Edwige Hartig der Grünen

In Oberösterreich finden am 27. September die Landtagswahlen gleichzeitig mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen statt. Zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs treten vier (4) KandidatInnen afrikanischer Herkunft in drei verschiedenen Parteien an: Marie Edwige Hartig „Toutou“ und Ike Okafor für die Grünen in Linz, Beverley Allen-Stingeder für die SPÖ (Puchenau) und Hermann Nsambang für die ÖVP (Mauthausen).

Heute beginnen wir unserer Serie „KandidatInnen afrikanischer Herkunft in der österreichischen Politik, am Beispiel von Oberösterreich“ mit Marie Edwige Hartig „Toutou“ der Grünen. Die Österreicherin kamerunischer Herkunft will sich u.a. für folgende Projekte in Linz einsetzen:

  • Die Initiative Raumschiff am Hauptplatz
  • Farben und Nutzpflanzen im öffentlichen Raum
  • Mehr und Sichere Radwege
  • Mehr Streetworker und
  • Räume für Bürger*innen und Initiativen ohne Konsumzwang.

Ein Interview mit einer engagierten Politikerin.

fresh Magazine: Stellen Sie sich bitte vor. Wer ist Marie-Edwige Hartig?

Marie-Edwige Hartig: Hi, ich bin Marie-Edwige Hartig (auch als „Toutou“ bekannt), in Kamerun geboren, seit 1989 österreichische Staatbürgerin. Ich arbeite als Gemeinderätin in Linz, bin Modedesignerin, Magistra der Psychologie und Mutter einer 17 jährigen HTL Schülerin.

Für welche politische Partei sind Sie seit wann engagiert und warum?

Seit 2009 bin ich auf Anwerbung für die Grünen im Linzer Gemeinderat aktiv. Da ich mit den wesentlichen Grundwerten der Grünen – Solidarität, Gewaltfreiheit, Selbstbestimmtheit, ökologischer und demokratischer Verantwortung – groß geworden bin, kann ich mich mit dieser Partei über weite Strecken identifizieren.

Sie wollen am 27. September in Oberösterreich gewählt werden. Wo in Oberösterreich und in welcher politischen Position?

Ich möchte wieder in den Linzer Gemeinderat einziehen, um mich für stärkere Anti-Diskriminierungsarbeit und Interkulturelle Öffnung in Linz und in unseren Unternehmen, und Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen einsetzen. Daneben mach ich mich für mehr leistbaren Wohnraum, und Ausbau des öffentlichen Verkehrs und unserer Radwege stark. Meine Chancen stehen gut, ich bin auf Platz 4 gewählt, und freue mich über Unterstützung und Vertrauen. Ich kandidiere auch bei den Landtagswahlen, bei einem bombastischen Ergebnis könnte ich sogar im Landtag mitmischen!

Ist ihre Hautfarbe ein Minus oder ein Plus für ihre Partei?

Ich denke es hilft den Grünen, dass ich Brücken zwischen Kulturen und Generationen schlagen kann. Es stärkt die Glaubwürdigkeit der Grünen Diversität nicht nur zu fordern sondern auch zu leben.

Haben Sie Anekdoten, die andere über Ihre Hautfarbe während ihren Wahlkampf erzählt haben?

Meine Hautfarbe per se ist kein Thema, weil meine FreundInnen und KollegInnen meine Hautfarbe nicht sehen – sofern wir nicht gemeinsam vor dem Spiegel stehen, oder Fremde darauf aufmerksam machen.

Wenn Sie gewählt werden, was würden Sie für das aktive Zusammenleben der AfrikanerInnen mit ÖsterreicherInnen in ihrer Gemeinde tun und was nicht?

Im Rahmen meiner Möglichkeiten als Kommunalpolitikerin, würde ich verstärkt vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, damit bestehende Angebote (Aus- und Weiterbildung, Gewerbe, Arbeitsmarkt, Antidiskriminierung,…) besser genutzt werden können. Etwa durch niederschwellige Begegnungen im Rahmen von Stadtteilfesten, Gemeinwesenarbeit – z.B. Stadtteilmütter, sportliche und kulturelle Aktivitäten, Partizipationsmöglichkeiten schaffen. Bei wichtigen Projekten in der Gemeinde wäre mir wichtig, dass betroffene Personengruppen eingebunden werden. Ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Miteinander ist mir ein wichtiges Anliegen.

Was ist ihr Lieblingsgericht aus Oberösterreich bzw. Österreich und aus Ihrem afrikanischen Land

Seit frühester Kindheit bin ich dem Geschmack und der Konsistenz von Couscous mit Nkui (eine viskose Soße aus gewaschener Rinde und Gewürzen, die so zähflüssig ist, dass man sie nicht mit dem Löffel essen kann, wissenschaftlich Triumfetta pentandra) oder Gombo (eine Soße aus Okraschoten) verfallen. Ganz angetan bin ich von den österreichischen Süßspeisen wie Zwetschkenknödel, Apfelstrudel oder Kaiserschmarrn. Ein bis zwei Mal die Woche gönne ich mir auch ein Linzer Auge vom Bio Bäcker

Wir wünschen Ihnen alles gute für die Wahlen…

Vielen Dank

—–

  • Mehr über Marie-Edwige Hartig „Toutou“ lesen Sie hier auf linz.gruene.at 

 




There are no comments

Add yours