Dan McCullers Womens Jersey  Interview: Mireille Ntwa Ngosso ist die erste afro-österreichische Bezirksrätin der Wiener SPÖ | FRESH MAGAZINE
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Mireille Ntwa Ngosso - ©privat

Interview: Mireille Ntwa Ngosso ist die erste afro-österreichische Bezirksrätin der Wiener SPÖ

Bei den letzten Wien Wahlen sind zwei Österreicherinnen afrikanischer Herkunft gewählt worden. Faika El-Nagashi mit ungarisch/ägyptischen Wurzeln als Grüne Gemeinderätin und Mireille Ntwa Ngosso mit Wurzeln aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) als SPÖ Bezirksrätin im ersten Bezirk. Beide sind eine Premiere. Mireille Ntwa Ngosso wird am 22. Dezember 2015 um 15h in den Räumlichkeiten des alten Wiener Rathauses angelobt. Sie ist die allererste Wiener SPÖ Politikerin afrikanischer Herkunft, die es so weit geschafft hat. Ein Gespräch mit einer, die sich für die Politik begeistert hat, um gegen rechte Hetze zu kämpfen.

Wer sind Sie Frau Mireille Ntwa Ngosso?

Mireille Ntwa Ngosso: Seit über 25 Jahren lebe ich in Wien und komme ursprünglich aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Gerade bin ich in meinem letzten Jahr vom Medizinstudium und bin bei der Wiener SPÖ parteipolitisch aktiv.

Am 22. Dezember 2015 sind Sie offiziell als Bezirksrätin der SPÖ im ersten Wiener Bezirk angelobt. Sie schreiben Afro-österreichische und österreichische Geschichte. Seit wann sind Sie bei der SPÖ und warum?

Ich bin seit ca. 2010 bei der SPÖ. Eingestiegen bin ich, weil meine Eltern im dritten Wiener Bezirk SPÖ Mitglieder waren. Ich bin mit der SPÖ aufgewachsen. Dann gab es eine Pause. Wie die Schwarz/Blau Regierung an der Macht war, habe ich beschlossen, wieder politisch aktiv zu werden.

Warum?

Weil ich diesen Rechtsruck nicht einfach hinnehmen wollte. Der hat mir Angst gemacht.

AfrikanerInnen gibt es nicht viele in der Wiener SPÖ. Anscheinend sind Sie die einzige Schwarze Frau, die im ersten Bezirk kandidiert und es geschafft haben…

Ja, das stimmt.

War Ihre Hautfarbe Thema im Wiener Wahlkampf?

Meine Hautfarbe war kein Thema im Wahlkampf. Es war ein harter Wahlkampf, weil wir in der Partei wussten, was auf dem Spiel steht. Das Ziel war ein rotes Wien zu haben, wie es immer war. Klarerweise war es wichtig zu kommunizieren, was passieren könnte, wenn Heinz Christian Strache Bürgermeister werden würde.

Was wäre passiert?

Wenn wir nur an die Mobilisierung im Bezug auf Flüchtlinge denken, sind wir glücklich darüber, dass das warme soziale Herz Wiens triumphiert hat. Mit Strache wäre es einfach nicht möglich gewesen.

Nächste Woche werden Sie angelobt. Haben Sie schon Themenschwerpunkte, wofür Sie sich gern engagieren wollen?

Die innere Stadt nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Einerseits ist es ein Bezirk, der jährlich an die Millionen von TouristInnen anlockt. Anderseits dürfen wir nicht vergessen, dass auch viele Menschen hier Ihren Lebensmittelpunkt haben. Als Bezirksrätin möchte ich einen Balanceakt zwischen TouristInnen, BewohnerInnen und Wirtschaftsunternehmen schaffen. Die innere Stadt soll lebendig und lebenswert sein für Jung und Alt. Ich freue mich schon sehr auf diese neue Herausforderung.

Ist Ihre Wahl auch eine Botschaft an die Afro-österreichische Communities, die weniger parteipolitisch aktiv sind, sich mehr in die Politik zu engagieren?

Ich bin ständig in den Communities unterwegs und erfahrungsgemäß sind viele skeptisch, wenn es um das politische Engagement geht. Das ist ein Trend in der Gesamtgesellschaft. Politik ist für sehr viele in den Communities nicht egal, nur das aktive Engagement in politischen Parteien fehlt.

Warum wollen viele, Ihrer Meinung nach, nicht parteipolitisch aktiv sein?

Weil für viele die Politik nicht mehr so fassbar ist. Gerade für junge Menschen. Aber das ist auch meine Rolle und die Rolle meiner Partei, dass wir uns aktiv einsetzen werden, damit viele junge Menschen sich für Politik begeistern. Ich setze mich für mehr Repräsentation in der politischen Sphäre ein. Deswegen lade ich alle ein, sich politisch zu betätigen, um mehr Gehör zu schaffen – egal ob auf Bezirks-, Landes- oder Bundesebene. Das kann uns nur voran bringen.

Sie leben in mehreren Welten. Österreich und die Demokratische Republik Kongo (DRK) sind Teile Ihrer Identitäten. Was sind Ihre Lieblingsgerichte aus Österreich und aus der DRK?

In Wien mag ich süße Speisen, also Kaiserschmarren, Topfen Knödel etc… In einem Restaurant esse ich Knödel mit Sauerkraut und zuhause koche ich Knödel mit Eier, Eiernockerln uvm…

Und aus der Demokratischen Republik Kongo, was würden Sie z.B. Ihrer FreundInnen empfehlen?

Einige FreundInnen waren schon in der DRK und kennen schon manche Gerichte aus diesem Zentral Afrikanischen Land. Ich esse gern Maniok FuFu mit Okra Sauce. Als Dessert freue ich mich über die kongolesischen Mikate (gebackene Mäuse).

Was wünschen Sie sich für die derzeitige Rot-Grüne Koalition in Wien?

Ich wünsche mir, dass die Arbeit der letzten fünf Jahren fortgesetzt wird. Ich wünsche mir, dass Wien diesen Sozial-liberalen Weg geht und auch anderen Bundesländern zeigen kann, dass es möglich ist, Politik ohne Hetze zu machen und dabei die Wahlen gewinnen.

fresh wünscht Ihnen alles gute für ihren politischen Weg …

Danke

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Zur Person

  • Jahrgang: 1980
  • Geboren: Mireille Adiet Ntwa Ydjumbwiths
  • 2010: Engagement bei der jungen SPÖ
  • 2015: Gewählt als Bezirksrätin im Ersten Wiener Bezirk
  • 2016: Abschluss der Medizinstudiums

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ANGELOBUNG

  • Wann: 22.12.2015, 15h
  • Wo: Altes Rathaus, Wipplingerstrasse 6-8, 1010 Wien
  • Eintritt: frei

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