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Filmtipp: Kleine Grosse Stimme im Volkskundemuseum + Tyron Ricketts im Talk

Rassismus, die Suche nach dem Vater und der Traum vom Singen – die neue ORF Produktion „Kleine grosse Stimme“ beleuchtet die Identitätssuche eines Besatzungskindes. Wir haben mit dem Schauspieler Tyron Ricketts über den Film gesprochen!

Der Film wird am 16.August 2016 um 19.00 Uhr im Wiener Volkskundemuseum zu sehen sein. Er ist der Abschluss des Rahmenprogramms zur Ausstellung  „SchwarzÖsterreich. Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten“.

 

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David Rott, Miriam Stein, Regisseur Wolfgang Murnberger, Wainde Wane, Karl Merkatz © ORF

Benedikt Thaler ist knapp 10 Jahre alt, wohnt bei seinen Großeltern am Land und muss ohne Eltern aufwachsen. Seine Mutter verstarb vor einigen Jahren und seinen Vater – einen afroamerikanischen GI – kennt er nicht. Durch seine dunkle Hautfarbe ist er dem Rassismus der Klassenkameraden und sogar den sehr zweifelhaften Ansichten seines Großvaters ausgeliefert.
Als er in der Wochenschau einen Auftritt der Wiener Sängerknaben mitverfolgt, erwacht in ihm der Traum von der großen Bühne. Doch auch die Hoffnung, seinen Vater bei einer gemeinsamen Reise nach Amerika wiederzufinden, treibt ihn an. Angekommen bezwingt er den Alltag zwischen garstigen Schulkollegen und dem toleranten Kapellmeister.

Zwischen Emotion und Ernsthaftigkeit

Regisseur Wolfgang Murnberger (Der Knochenmann, Mein bester Feind) erzählt die Geschichte eines Besatzungskindes in den 1950er Jahren mit Witz und großen Emotionen, ohne dabei die nötige Härte zu verlieren. Die Gesangssequenzen der Wiener Sängerknaben halten sich, trotz einer einstigen Konzeption als Musical, in Grenzen. Der 13-jährige Wainde Wane überzeugt in seiner ersten Filmrolle und kann besonders an der Seite von Karl Merkatz eine große Portion Charme versprühen. Der gesuchte Vater wird von Multitalent Tyron Ricketts verkörpert. In weiteren Rollen sind David Rott, Miriam Stein und Philipp Hochmair zu sehen. Unter dem Motto „Es ist keiner fremd, wenn wir das nicht wollen“, siegt am Ende die Toleranz.

Tyron Ricketts im Talk

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© Mona Film

Wie bist du zu dieser Rolle gekommen?
Ich habe das Drehbuch geschickt bekommen. Von der Geschichte war ich wirklich berührt, dass passiert mir relativ selten. Ich konnte mich damit identifizieren, da ich auch in Österreich geboren wurde.

Inwieweit hast du dich in der Story wiedergefunden?
Ich habe mich besonders in der Situation wiedergefunden, der einzige Schwarze Junge in einer kleinen Stadt zu sein. Das war bei mir ähnlich. Ich bin 1973 in Weiz zur Welt gekommen. Mein Vater war der erste Schwarze Mensch, der dort jemals gelebt hat. Folglich war ich das erste Schwarze Kind, das dort zur Welt kam. Meine Erinnerungen sind zwar nicht so extrem wie im Film, allerdings fühlte ich mich auch nie ganz zugehörig. Das war als Kind etwas undefinierbar. Je älter man wurde, desto mehr konnte man das Verhalten, der Angst vor dem Fremden zuordnen.

Wie relevant ist ein Film wie dieser in der heutigen Zeit?
Ich denke, wie die Bevölkerung jemanden aufnimmt, der nicht auf den ersten Blick dazugehört, ist heute immer noch ein riesengroßes Problem. Gerade bei der derzeitigen Flüchtlingssituation merkt man, dass die Angst sehr groß ist. Man sieht, wie wenig sich die Leute darauf einlassen können, die Welt als ein Ganzes zu begreifen. Viele Menschen denken leider noch in Grenzen. Meiner Meinung nach muss man beginnen, alles etwas globaler zu sehen.

Hast du die Dreharbeiten genossen?
Die Dreharbeiten waren sehr spannend. Es war der erste Film für Wainde. Mir macht es irrsinnig Spaß mit jungen Schauspielern zu drehen. Der Enthusiasmus, mit dem sie an die Sache herangehen, ist total ansteckend. Meine Rolle war eine wunderschöne Herausforderung. Einen Vater zu spielen, der seinen Sohn zum ersten Mal sieht, war sehr emotional. Außerdem musste ich Klavierspielen lernen und singen. Wolfgang Murnberger ist ein sehr kreativer und guter Regisseur – die Arbeit mit ihm hat viel Spaß gemacht! Ein weiteres Plus – der Zeitraum, in dem der Film spielt, war 1954. Es wurde viel umgebaut, damit es so aussieht wie damals. Alte Autos, der Schotter auf den Straßen und die alten Kostüme, haben das Erlebnis noch verstärkt.

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Tyron Ricketts, Wainde Wane, Miriam Stein, David Rott © Tyron Ricketts

Wie denkst du, kommt die Kombination von harten Themen und Emotionen beim Publikum an?
Ein Grund, warum mir der Film so gefällt, ist, dass die Balance zwischen schönen, gefühlvollen Szenen und der harten Realität, gut gefunden wurde. Man sieht, wie der Nazi-Opa den kleinen Jungen behandelt. Auf der anderen Seite gibt der Film Hoffnung. Er zeigt Wege auf, wie man mit bestimmten Situationen im Zusammenleben, mit scheinbar Fremden, umgehen kann. „Kleine grosse Stimme“ ist eine ausgewogene Mischung aus Unterhaltung, Emotionalem und Lösungsansätzen.

Ist dir diese Art von Film wichtig?
Ich finde es wichtig, mit einem Film mehr als nur einen Unterhaltungsanspruch zu haben. Ich mag Filme, die zum Nachdenken anregen und die einen Stups in die richtige Richtung geben können. Ich denke, dass Unterhaltung generell, ob das jetzt Film, Musik oder Literatur ist, ein wenig die Aufgabe hat, ein Wegweiser zu sein. Sie kann auf geschickte Art und Weise neue Sichtweisen eröffnen.

Was sind deine nächsten Pläne?
Gerade liegt meine Priorität auf einem Projekt, das ich selber geschrieben habe. Riptide wird es heißen. Es geht um einen deutschen Arzt, der mit seiner Familie nach Lanzarote auf Urlaub fährt, beim Surfen in eine Unterströmung gerät und von einem afrikanischen Flüchtlingsschiff gerettet wird. Da er aber so aussieht, wie viele auf dem Boot, wird er für einen Flüchtling gehalten und muss die schwere Reise mit ihnen antreten. Das sollte nächstes Jahr gedreht werden. Andererseits habe ich – mit Harry Belafonte zusammen – meinen Fokus auch hinter der Kamera verlegt. Unter anderem verfolge ich derzeit einen ehemaligen buddhistischen Mönch, der sein Wissen auf andere Weise in die Welt bringen möchte.

 

 

 

Kleine Grosse Stimme
Regie: Wolfgang Murnberger
ORF/BR/ARD/Mona Film, 2015

Ort: Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15-19, 1080 Wien
Zeit: Dienstag, 16. August, 19 Uhr

Eintritt frei!

Zum fb-Event – https://www.facebook.com/events/874175252708647/

ZUR AUSTELLUNG

Adoptiert, geblieben, verspottet – wer als Kind einer Österreicherin und eines afroamerikanischen GIs zwischen 1945 und 1955 zur Welt kam, hatte einen schweren Start ins Leben. Die oftmals vergessenen Geschichten dieser sogenannten Besatzungskinder treten jetzt ans Tageslicht und offenbaren Identitätsfragen, Ungerechtigkeiten der Behörden und enorme Stärke im Umgang mit der Nachkriegsgesellschaft. Eine Im Rahmen der Ausstellung „SchwarzÖsterreich. Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten“, die vom 27. April bis zum 21. August im Wiener Museum für Volkskunde läuft, präsentieren die Kuratoren Philipp Rohrbach, Niko Wahl und Tal Adler die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Lost in Administration“ und lassen die Kinder von damals erzählen.




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