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Markus Krottendorfer/Dominik Hruza

Wienwoche: WHEN THE WORLD COMES TO AN END…

Move to Vienna. Because everything happens there 20 years later!

Wer kennt es nicht? Wien und das Gefühl, hinter dem Mond zu leben. Chilo Eribenne präsentiert bei der Wienwoche ihr Stück über Identität, Rassismus und  Zukunftsangst. Und gibt private Einblicke in das Leben Schwarzer Frauen.

London, 1999. DJane Eunikoro Rhensarai ist nicht bereit für das neue Millennium. Der Glanz des Metropolen-Lebens schwindet und der Kapitalismus tobt. Das betrifft auch Eunikoro, die ohne Ersparnisse und ohne fixes Einkommen dasteht. Also entscheidet sich Eunikoro in ihre Zeitmaschine einzusteigen: Sie will zurück ins Jahr 1974 und die – rückblickend – „richtigen“ Entscheidungen treffen. Doch etwas geht schief und sie bleibt im Jahr 1999, aber es verschlägt sie nach Wien in einen Afro-Friseurladen.

In diesem neuen Umfeld wird Eunikoro mit ihrer Identität und auch mit ihren eigenen Zukunftsängsten konfrontiert. When The World Comes To An End, Move To Vienna …– Because Everything Happens There 20 Years Later! erzählt von Masken und Migration, von Talenten und Möglichkeiten, wahren und falsch verstandenen Identitäten. Ein unterhaltsames Science-Fiction-Drama mit sozialem Kommentar.

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Wir haben uns mit der Regisseurin und Hauptdarstellerin des Stücks Chilo Eribenne getroffen und über die Entstehung gesprochen.

Wie entstand die Idee zum Stück?
Die Idee kam mir und einer Freundin, die wie ich als DJane nach Wien kam. Sie ist aus New York und hat Nigerianische Wurzeln. Ich selbst bin aus London und habe ebenfalls nigerianische Wurzeln. Wir wurden gute Freunde und redeten viel. Wir kamen einfach immer wieder auf dieselben Themen, wie Rassismus und Haare.

Was kann man erwarten?
Wir fanden die Idee großartig, uns in einem Afro Shop zu treffen, die Haare machen zu lassen und über diese Themen zu quatschen. Dinge, über die man wahrscheinlich nicht so spricht, wenn weiße Menschen im Raum wären. Es ist ein relativ privater Einblick in das Leben Schwarzer Frauen, besonders in Österreich. Wir wollten diesen Dialog für alle öffnen.

Welche Menschen würdest du gerne in deinem Stück sehen?
Ich wollte etwas machen, dass für Schwarze und Weiße interessant ist. Es sollen nicht nur Schwarze Menschen kommen und sich ihre eigenen Probleme anhören. Ich fand es spannend, dass auf der Uni postkoloniale Themen gerade so ein großes Thema sind. Langsam entsteht eine Awareness für White Privilege. Also dachte ich, jetzt ist ein guter Zeitpunkt um Weißen einen Einblick in unseren Alltag zu geben.

Wie viel Wahrheit steckt in dem Projekt und den Dialogen?
Es ist nicht alles autobiografisch, sondern mehr Sci-Fi und Afrofuturismus. Allerdings spielt die Handlung in dem Jahr, in dem ich nach Österreich kam, 1999. Es fühlte sich an wie eine Zeitmaschine und ich kam mir vor, wie im London der Siebziger. Man sagt ja, dass die Trends viel später nach Österreich überschwappen. Sogar Gustav Mahler meinte einst, „Wenn die Welt untergeht, fahre ich nach Wien, denn dort passiert alles 50 Jahre später.“. Der Gedanke war schon sehr präsent. Die Dialoge sind relativ nahe an denen, die so auch in der Realität stattgefunden haben, nur vorgetragen von fiktiven Charakteren.

Es ist ein Zwei Frauen Stück. Du spielst selbst eine der Hauptrollen, wie kamst du zu deiner zweiten Hauptdarstellerin?
Kudra Owens, ist eine Schauspielerin ursprünglich aus den USA, die auch in Musicals zu sehen ist. Sie ist mixed, hat also einen Schwarzen und einen weißen Elternteil und wuchs in einer weißen Familie auf. Sie kennt sich ebenfalls gut mit der Thematik aus und ist da sehr interessiert. Witzig ist auch, dass ihr Mann, der früher bei den Vienna Scientists war, mittlerweile ein Hairstylist ist.

Was hat sich in Wien zwischen 1999 und heute geändert?
Wien ist viel offener und globaler geworden. Die Leute starren einen nicht mehr so an, wenn man anders ist. Österreich war immer wie eine geschlossene Gesellschaft, man konnte nicht einfach Teil davon sein. Das ist mittlerweile etwas besser. Als ich gekommen bin, war die Konsumgesellschaft und der individuellere Style, den ich aus London kannte, noch nicht hier angekommen. Alles wirkte eher sehr konservativ. Durch die Globalisierung hat sich aber auch das geändert.

Wie kam die Idee, das alles im Rahnen der Wienwoche zu zeigen?
Ende letzten Jahres war der Call for Application. Ich fand es ganz spannend und habe die Idee einfach eingereicht. Da unsere Haare momentan sowieso ein Thema sind, zum Beispiel durch Chimamanda Ngozi Adichies Bücher, fand ich es spannend, es gerade jetzt in einem Afro Shop spielen zu lassen. Das Team der Wien Woche war sehr offen und unterstützend.

Was würdest du gerne mit „The World Comes To An End, Move To Vienna“ erreichen?
Ich denke Diskussionen anzustoßen, ist immer wichtig. Seit ich mit dem Stück angefangen habe, rede ich im Alltag viel offener über Rassismus und Ungerechtigkeit. Viele Menschen sehen das dann auch ein. Awareness zu schaffen ist wichtig und wenn man sich nicht dafür einsetzt, sehen es viele nicht. Man muss der Gesellschaft manchmal einen Spiegel vor Augen halten.

Chilo Eribenne ist Autorin, DJane, Visuelle Künstlerin und Regisseurin aus London und lebt seit vielen Jahren in Wien.

The World Comes To A End, Move to Vienna…
Because Everything Happens There 20 Years Later!

Sci-Fi, Afrofuturismus, Gesellschaftskritik (in Englischer Sprache)
Im Rahmen der Wienwoche 2016
Regie:
Chilo Eribenne
Mit: Chilo Eribenne und Kudra Owens
Wo: Spectakel – Hamburgerstraße 14, 1050 Wien
Wann: 25.09. – 27.09.2016, 19.30 Uhr
Preis: Die Premiere findet bei freiem Eintritt unter Voranmeldung statt (reservation@wienwoche.org – momentan ausreserviert)
Am 26.09. + 27.09. –  10 € (ermäßigt)/15 € (reservieren unter http://spektakel.wien/karten-reservieren/)

Weitere Infos zur Wienwoche – http://www.wienwoche.org/




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