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Sprichst du afrikanisch?

Die hier notierten Verhaltensweisen und Fragen könnten verstörend wirken und sollten auf keinen Fall nachgeahmt werden!

Ja, diese Warnung habe ich nach einigen Jahren in Österreich im Kopf, wenn ich preisgebe, dass ich in Äthiopien aufgewachsen bin. Die Ignoranz einiger Menschen ist grenzenlos und äußert sich zum Beispiel in den folgenden Statements.

 „Gibt es dort Milch?“

Wäre einer der – sagen wir mal – kreativsten Fragen, die ich gestellt bekommen habe. Ja, es gibt Kühe in Äthiopien und die produzieren bekanntlich Milch. Und welch Überraschung, außer Milch gibt es dort auch andere Lebensmittel. Das bekannteste ist „Injera“, ein säuerliches Fladenbrot, das mit zahlreichen Fleischsoßen oder vegetarischen Gerichten gegessen werden kann. Mein absolutes Lieblingsessen!

 „Sind alle Menschen in Äthiopien arm und hungrig?“

Erstens, kenne ich nicht jeden einzelnen Einwohner Äthiopiens – Nein, ich habe nicht im Central Statistic Agency Ethiopia gearbeitet – und  natürlich sind nicht alle arm. Das ist nur die Seite, die uns die Medien zeigen. Äthiopien ist, wie jedes Land, eine Sammlung von verschiedenen Eindrücken, Bildern und Geschichten. Das ist so als würde man glauben, dass jeder Einwohner Österreichs jeden Tag eine Lederhose oder ein Dirndl anzieht, in den Bergen jodelt  und zum Mittag ein Schnitzel mit Erdäpfelsalat verdrückt. Und zum Nachtisch gibt es Kaiserschmarrn.

„Sprichst du Afrikanisch?“

Gehört zu den Top-Fragen, die ich den vergangenen Jahren in Österreich, voller Erstaunen über die Ignoranz der Fragenden, beantworten musste. Also, Afrika ist ein Kontinent mit 54 Ländern und diese haben ihre eigenen Sprachen. Äthiopien hat über 80 Sprachen, nicht Dialekte. Als ich das der Fragenstellerin erklären wollte, sagte sie: „ Ja aber, ist das nicht alles dasselbe?“. Nein, ist es nicht. Das ist so als würde ich fragen, „Sprichst du Europäisch?“. Verstanden? Gut.

„Und warum glaubst du, dass es in Äthiopien zu diesen politischen Problemen geführt hat?“

Meistens fühle ich mich bei dieser Frage, wie eine UN Botschafterin in einem Konferenzsaal – vor mir mein Namenschild und die äthiopische Flagge daneben. Alle anderen UN Leute hängen an meinen Lippen. Es wird still und ich muss jetzt etwas Intelligentes über Politik oder Armut sagen. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich habe keinen Abschluss in internationale Entwicklung – ich habe dort gewohnt.

Einige meiner Lieblingsfragen sind „Vermisst du Äthiopien?“ oder „Willst du wieder zurück?“ Ich weiß nicht wie man sich das vorstellt. Ich habe dort fast mein ganzes bisheriges Leben verbracht, habe etliche Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Orte, die mir viel – ja sogar sehr viel – bedeuten. Warum sollte ich es nicht vermissen? Schließlich baut man ja auch eine emotionale Bindung zu einem einmal besuchten Urlaubsort auf und sehnt sich nach dem oder? Natürlich möchte ich zurück! Oder warum würdest du nicht zurück wollen?




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