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(c) Walt Disney Company

Wo bleibt die Vielfalt in Kinderfilmen?

Am zweiten Sonntag im Dezember wird traditionell der – von UNICEF ins Leben gerufene -Kinder-Fernsehtag gefeiert. Wir haben das zum Anlass genommen, uns etwas genauer mit Zeichentrick- und Animationsfilmen auseinanderzusetzen und die Vielfalt in ihnen zu suchen!

Es ist vermutlich relativ unmöglich, in der heutigen Zeit aufzuwachsen und nicht irgendwann ein ausgeprägtes Faible für Zeichentrickfilme im Allgemeinen (und Disneyfilme im Besonderen) zu entwickeln. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Begegnungen mit Simba und Mufasa, bin dahin geschmolzen als sich Susi und Strolchi ihre berühmten Spaghetti teilten und konnte Cruella De Vil  nur verteufeln. Ich habe mich unter der Decke versteckt, als Schneewittchen im Wald von den Bäumen angegriffen wurde und Cinderella dabei zugesehen, wie sie ihren gläsernen Schuh verlor (und die tollpatschige Prinzessin in spe insgeheim deswegen ausgelacht).

(c) Walt Disney Company France; Hamilton Luske

(c) Walt Disney Company France; Hamilton Luske

Rückblickend betrachtet, fällt jedoch trotz all der Nostalgie die quasi nicht vorhandene ethnische Vielfalt in populären Kinderfilmen ins Auge. Vor allem die Hauptcharaktere haben durchwegs rote Backen und einen rosafarbenen Hautton. Falls doch Schwarze Charaktere auftauchen, dann als Nebenfiguren mit stark übertriebenen äußeren Merkmalen und stereotypen Charaktereigenschaften.

(c) Walt Disney Company

(c) Walt Disney Company

Ich möchte alten Disneyfilmen hier dennoch nicht den uneingeschränkten Vorwurf des Rassismus unterbreiten. Viele dieser (ersten) Zeichentrickfilme entstanden um die Zeit des zweiten Weltkrieges. Welche Ideologie zu dieser Zeit die vorherrschende war, muss wohl niemandem mehr gesagt werden. Das Aufzeigen solcher Missstände ist dennoch wichtig, um aus der Vergangenheit zu lernen und ihre Fehler nicht zu wiederholen.

Selbst mit einer äußerst großzügig bemessenen Toleranzzeit, hört sich mein Verständnis jedoch mit den 1990er Jahren auf. Das ist allerdings auch der Zeitpunkt, in welchem Disney diesbezüglich – spät aber doch – ein wenig aufholt.

Mitte des Jahrzehnts wagte sich das Unternehmen mit „Mulan“ und „Pocahontas“ erstmalig an Nicht-Weiße Lead-Charaktere heran. Der Erfolg gab dem Unternehmen recht. Mit „Atlantis“, sowie „Lilo und Stitch“ kamen zu Beginn des neuen Jahrtausends daraufhin zwei weitere Filme in diesem Bereich hinzu.

© DreamWorks Animation L.L.C.

© DreamWorks Animation L.L.C.

2009 gab es dann noch einen Grund zu jubeln: In „Küss den Frosch“ flimmerte die erste afroamerikanische Trickfilmheldin über die Leinwände. Die Tochterfirma Pixar schickte daraufhin 2012 die erste Heldin mit (schottischen) Locken auf Abenteuerreise und DreamWorks legte 2015 mit der durch Rihanna verkörperten Lead-Figur in „Home – ein spektakulärer Trip“ noch einmal nach. Es geht also doch, wenn man will.

Doch genug mit dem Disney-Bashing und dem Aufzeigen vergangener Fehltritte. Es gibt nämlich sehr wohl Produktionen, welche Vielfalt in die Welt der Trickfilme bringen – auch wenn ihre Popularität auch aufgrund der Sprachbarriere hierzulande ziemlich zu wünschen übrig lässt. ‚The Golden Blaze“ etwa oder der bereits 2005 erschienene amerikanische Disneyfilm „Die Prouds: Der Inselabenteuerfilm“, welcher auf der gleichnamigen Serie beruht.

Vor allem im Bereich der TV-Serien lässt sich hier noch einiges finden. Die „Tinga Tinga Fabeln“ etwa, welche auf afrikanischen Volksmärchen beruhen, oder die Serie „Fatherhood“. Auch „Die Prouds“ und die Superhelden von ‚Static Shock‘ dürfen in dieser Aufzeichnung nicht fehlen. „Die Nektons – Abenteurer der Tiefe“ erscheinen seit diesem Jahr im deutschen Fernsehen und sind auf jeden Fall einen Blick wert.

Wem all dieser Zeichentrick-Wahnsinn nun doch zu viel wird, kann sich aber auch einfach Filmen zuwenden, in denen reale Schwarze Schauspieler für die Unterhaltung der ganzen Familie sorgen. Mit Titeln wie „Dr. Dolittle“, „Karate Kid“, „Hancock“, „Cool Runnings“ oder „Akeelah And The Bee“ gibt’s zumindest hiervon nämlich reichlich.

In diesem Sinne: Hakuna Matata!




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