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Buch: Ta-Nehisi Coates „Between The World And Me“

Ein ehrlicher Brief eines Schwarzen Mannes an seinen Sohn und wie er damit jeden Leser inspirieren kann.

“Here is what I would like for you to know: In America, it is traditional to destroy the black body—it is heritage.”

Das erste Mal hörte ich von Ta-Nehisi Coates, als ich durch Zufall auf einen seiner Artikel im ‚Atlantic‘ stieß. Er handelte davon, dass eine eher hellhäutige Zoe Saldana die dunkelhäutige Nina Simone spielen soll und für diese Rolle dunkler geschminkt wird (Blackface?). Coates ging der Frage nach inwiefern das “Cultural Appropriation“ ist. Er weckte recht schnell mein Interesse, so dass ich mir auch seine anderen Artikel über Politik und Kultur vornahm.

Diesen Sommer las ich dann sein Buch „Between The World And Me“. Es ist ein Brief an seinen 15-jährigen Sohn. Coates beschreibt seine Kindheit und sein Leben als Schwarzer Mann in den USA und die Probleme, die damit einhergehen. Er möchte seinen Sohn so auf sein eigenes Leben vorbereiten.

I would not have you descend into your own dream. I would have you be a conscious citizen of this terrible and beautiful world. (…) You are growing into consciousness, and my wish for you is that you feel no need to constrict yourself to make other people comfortable.

Geboren und aufgewachsen ist er in den Ghettos von Baltimore (Maryland) und musste schon früh lernen, dass es für ihn keinen Ort gab, an dem er sicher war. Überfälle und Mord waren in den Ghettos immer allgegenwärtig, und er lebte immer in der Angst eines Tages nach der Schule nicht mehr nach Hause zu kommen.

Auch heute gehört Baltimore noch zu den zehn gefährlichsten Städten der USA und auch die Polizeigewalt ist hier deutlich zu spüren. Selbst das Justizministerium erkennt, dass Schwarze systematisch schlechter behandelt, diskriminiert, grundlos angehalten und für kleine Delikte härter bestraft werden, als Weiße.

Coates stellte also früh fest, dass er diesen Kampf alleine austragen muss. Seine Eltern (Ein Bibliothekar und früheres Black Panther Mitglied und eine Lehrerin) motivierten ihn schon in jungen Jahren viel zu lesen und zu lernen. Nach der High School ging er auf die Howard Universität in Washington DC, die auch als das „Mecca“ der Afroamerikaner bezeichnet wird. Sie gehört zu einer der Elite „HBCU’s“ (Historically Black Colleges/Univer- sities) und war für Coates ein Ort, an dem er sich endlich sicher fühlte. Hier fand er neues Wissen, Freunde, Liebe und Menschen, die ihn verstanden. Nach 5 Jahren Studium brach er dieses ab, um sich voll und ganz dem Journalismus zu widmen.

Ta-Nehisi Coates hofft seinen Sohn Samori mit diesem Buch aufklären und helfen zu können.
Er erzählt von dem Tag, als die Familie 2014 von Eric Garners brutalen Tod durch einen Polizisten erfuhr: Samori ist in sein Zimmer gegangen und hat geweint. In diesem Moment ist Coates klargeworden, dass er seinen Sohn auf sein weiteres Leben als Schwarzen Mann in dieser Gesellschaft vorbereiten muss.

“All my life I’d heard people tell their black boys and black girls to “be twice as good,”which is to say “accept half as much.”

Nicht nur sein Sohn, sondern jeder Leser (ob Schwarz oder weiß) kann von Coates lernen. Oft erinnerten mich die Dinge, die er sagt an Worte meines eigenen Vaters, der aus Mississippi stammt und als junger Mann nach Deutschland kam. Er versuchte mich auf ein Leben als (Halb-)Schwarze vorzubereiten, und erzählte mir Geschichten aus seiner Kindheit und Jugendjahren – und den Konflikten, sowohl mit dem Gesetz als auch mit der Polizei, in die er geraten war.

Er sagte mir, dass ich unter Umständen härter für meinen Erfolg arbeiten muss und dass ich im Laufe meines Lebens ziemlich sicher auch mit Rassismus konfrontiert werde. Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich seine Worte. Und mir ist mittlerweile auch klar, warum mein Vater nie nach Amerika zurückging und wollte, dass ich in Deutschland aufwachse.

„Between the World and Me“ – eine klare Leseempfehlung für jeden, der mehr über den Rassenkampf, die Polizeigewalt und das politische System in den USA erfahren möchte. Gerade in Anbetracht der derzeitigen Ereignisse muss man mit der harten Realität konfrontiert werden, um zu verstehen was in diesem Land wirklich falsch läuft.

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