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© Ilze Kitshoff

Afro-Deutsche SchauspielerInnen im Interview – Florence Kasumba

Nicht nur Hollywood bietet talentierte Schwarze, die es schaffen über den Schatten der stereotypischen Rollen zu springen. fresh hat talentierte und aktive Afro-Deutsche SchauspielerInnen gefunden. Beginnen werden wir mit Florence Kasumba, die Frau, die auch die US-Fantasywelt erobert.

Florence Kasumba ist eine in Uganda geborene und in Deutschland aufgewachsene Schauspielerin und Musicaldarstellerin. Kasumba ist mit ihrer Familie in Essen aufgewachsen. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung in Gesang, Tanz und Schauspielerei an der Fontys Dansacademie in Tilburg.

Sie übernahm Rollen auf verschiedenen Bühnen in Deutschland und Österreich, wie zum Beispiel in Musicals wie “Der König der Löwen” (als Shenzi), “Mamma Mia!” (als Lisa), “Cats” (als Bombalurina) und “Hair” (als Tribe). Von 2003 bis 2004 spielte sie die Titelrolle in “Aida” im Colosseum Theater Essen. 2011 folgte eine Hauptrolle im Tatort “Der illegale Tod“.

2016 konnte Florence sogar eine kleine Sprechrolle im aktuellsten Avenger Film “The First Avenger : Civil War” ergattern. Dannach wurde sie auch für “Black Panther“ gecastet. Ebenfalls im Resumee US-Serien wie „Emerald City“.

© Janine Guldener

© Janine Guldener

Erstmal Glückwunsch für deinen Durchbruch in Amerika – die ganze Twitter Gemeindschaft steht hinter dir! Wie ist es dazu gekommen und wie viel hat sich jetzt für dich geändert?
Ich freue mich sehr über die Unterstützung der Fans in den sozialen Medien. Wie es dazu kam? Ich werde von zwei Agenturen vertreten. Doris Fuhrmann Management in Wien und Jonathan Arun in London. Für internationale Rollenanfragen melden sich die Caster/ Besetzer bei meinen Agenten und bitten darum, dass ich ein Selftape (ein von mir aufgenommenes Casting-Video) erstelle und verschicke. Meine Selftape-Ausrüstung (Kamera, Licht und Stativ) ist mein ständiger Begleiter. Ich mag diese Art von Castings. Obwohl es manchmal Zeitdruck gibt, habe ich die Kontrolle und bin beim Casting nicht nervös.
Die Veränderung beginnt eigentlich erst jetzt, weil ich zum ersten Mal in Amerika drehen werde.

Mich würde brennend interessieren, welche Person oder welches Ereignis der Auslöser war, warum Du Schauspielerin geworden bist.
Als 12-Jährige war ich mit meiner Klasse im Musical “Starlight Express”. Ich war fasziniert von dem Gesang, Tanz und Schauspiel des internationalen Ensembles. In dem Moment wusste ich, dass ich später auch auf der Bühne stehen möchte. Die Show ist bis heute eine meiner Lieblingsshows.

Welchen Schauspieler würdest Du gerne einmal persönlich treffen?
Ich würde gerne Charlie Cox treffen und mit ihm über das Training für die Kampfszenen in Marvel’s “Daredevil” sprechen.

Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?
Besonders stolz bin ich auf das, was ich in den letzten Jahren in Kung Fu und Tai Chi Chen und Yang gelernt habe. Ich wollte schon immer Actionfilme drehen, was ich mir durch das harte Training ermöglicht habe. Am wohlsten fühle ich mich im Moment in den Genres: Fantasie und Action.

Gibt es etwas in Deiner Schauspielkarriere, das Du heute anders machen würdest?
Obwohl ich immer gearbeitet habe war ich früher oft unzufrieden, weil ich geglaubt habe, dass ich mehr drehen muss, um meine Vita zu füllen. Heute bin ich ausgeglichener und dankbar, dass ich meinen Traumberuf ausüben kann, was viele Kollegen nicht können, weil es leider nicht genug Arbeit für uns alle gibt. Ich freue mich über das, was kommt, bin aber gleichzeitig skeptisch. Nur weil man für eine bestimmte Rolle besetzt wurde bedeutet nicht, dass man den Job tatsächlich ausführt.

Was spielt sich in Deinem Kopf ab, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie Du Dir das vorgestellt hast? Frustration oder eher ‚Jetzt erst recht‘?
Nach Vorsprechen bin ich enttäuscht, wenn ich alles gegeben habe und am Ende nichts dabei heraus kommt ,besonders nach einer 2. oder 3. Runde. Frustriert bin ich, wenn ich nicht genügend Vorbereitungszeit habe.

Was gehört zu Deinem Alltag als Schauspielerin, außer dem Schauspielen selbst?
Zu meinem Alltag gehört auf jeden Fall Texte lernen für Casting-Anfragen und aktuell Ausdauer- und Kampftraining. Da ich oft im Ausland drehe, muss ich mich natürlich auch viel um Papierkram kümmern, z.B. Arbeitsvisa beantragen. In meiner Freizeit lese ich gerne und mag Kinobesuche. Entspannung finde ich beim Qi Gong.

Gut oder böse? Welche Charakterdarstellung liegt Dir mehr?
Gut oder böse? Da möchte ich mich nicht festlegen. Beides liegt mir.

Was fordert Dich mehr heraus?
Was mich aber besonders herausfordert sind Dreharbeiten in anderen Sprachen. Vor kurzem habe ich Shakespeare’s „A Midsummer Night’s Dream“ in Englisch gedreht. Davor hatte ich im Vorfeld sehr viel Respekt.

Gibt es Rollen, die Du auf keinen Fall annehmen würdest?
Rollen, die ich nicht annehmen würde? Das ist schwierig. Es sind nicht Rollen, die ich ablehnen würde, sondern Drehorte. Ich bin ungern in der Nähe von Krabbeltieren. Ein Dreh im Dschungel wäre ungünstig. Ich sitze auch nicht gerne auf Pferden.

Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?
Zu den wichtigsten Dingen zählen für mich die Familie, Gesundheit, meine Arbeit, finanzielle Sicherheit und mein Training.

Hättest du noch eine Message für unsere Leser?
Glaubt an Euch, arbeitet hart, seid kritikfähig, respektvoll, demütig und liebt das, was Ihr macht. Bleibt positiv und teilt Eure Erfahrungen.




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