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„Dear White People“ – Netflix‘ Tanz zwischen Diversität und Rassismus

Kein Serientrailer in der Geschichte Netflix‘ hat mehr für Aufruhr gesorgt als der von “Dear White People.“ Innerhalb kürzester Zeit kündigen viele Nutzer*innen der weltweit erfolgreichsten Streamingseite ihren Account. Nur 35 Sekunden Bildmaterial reichen aus, um auf Twitter und YouTube hitzige Auseinandersetzungen anzufachen. Besonders eine Frage steht im Zentrum dieser heftigen Diskussionen: Versucht die Serie Rassismus zu propagieren, oder ist sie ein wertvoller Schritt dagegen?

Es gibt keine Netflix-Serie, die momentan so sehr in aller Munde ist wie „Dear White People“. Innerhalb von fünf Tagen sorgt der der Mini-Trailer, der das Startdatum der Serie sowie einen 20-sekündigen Einblick gibt, für fast vier Millionen (!) Aufrufe, rund 400.000 Dislikes und nur knapp 50.000 Likes.

Das Konzept der neuen Comedy-Satire-Sendung basiert auf dem gleichnamigen Film von Justin Simien aus dem Jahr 2014: Junge, Schwarze Collegestudent*innen versuchen neben ihrer Suche nach Identität und Zugehörigkeit auf verschiedenste Art mit Rassismus am Campus umzugehen: Sie gehen in die Politik, machen durch (Alternativ-)Medien auf sich aufmerksam oder versuchen sich so sehr der weißen Norm anzupassen wie auch nur möglich – jedoch werden sie trotz aller Versuche von dem Großteil der anderen Studenten*innen in die gängigen stereotypisierten Schubladen gesteckt. Zu Halloween eskaliert jedoch die Lage, als das Motto für die Kostümfeier die afroamerikanische Kultur wird. Und genau diese Szene wird im Trailer beleuchtet und verbindet gleichzeitig Film und Serie.

„Liebe weiße Menschen, hier ist eine Liste akzeptabler Halloween-Kostüme: Pirat, verruchte Krankenschwester, irgendeiner der ersten 43 (amerikanischen) Präsidenten. Die Spitze der Liste innakzeptabler Kostüme: Ich.“ Mit diesen Sätzen spricht sich die Hauptdarstellerin Samantha White (Logan Browning) gegen Rassismus – hier speziell gegen Blackfacing – aus. Aber genau diese Sätze initiieren eine neue Welle des Rassismus und verhelfen Netflix zu einem Shitstorm sondergleichen.

Der Streamingdienst versucht mit der Adaption des gleichnamigen Films auf witzige und teilweise satirische Art Brücken zwischen Ethnien zu bauen, was Ihnen wahrscheinlich auch – zumindest zu einem Teil – glücken würde, gäbe es nicht privilegierte, ängstliche Menschen,  die sie durch eine Serie bedroht fühlen. So bedroht, wie beispielsweise der ehemalige Buzzfeed-Journalist Timothy Treadstone, der auf Twitter der Serie vorwirft, sie unterstütze Genozid an weißen Menschen und daraufhin seinen Netflix Account löschte. Viele andere folgten ihm.

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Bildschirmfoto 2017-02-13 um 07.11.16Unter dem Hashtag #NoNetflix treffen nun die zwei Lager aufeinander:

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Bildschirmfoto 2017-02-13 um 07.11.45Die Frage, die sich hier nun stellt ist, ob „Dear White People“ wirklich vermeintlich „rassistische“ Propaganda über Netflix fährt, indem sie weiße Menschen, strukturelle Hierarchien sowie Stereotypisierung in der Serie thematisiert und kritisiert, oder sie einfach nur privilegierten Menschen auf satirischer und charmanter Weise zeigen will, dass es auch nach der Zeit der Segregation und dem scheinbar „überwundenen“ Rassismus, doch noch immer zu Diskriminierung und der damit verbundenen Aufrechterhaltung der weißen Norm kommt, die nur durch vermehrtes Aufzeigen von Missständen ein Nach- und/oder Umdenken bewirken kann.

Die erste Staffel von „Dear White People“ wird 10 Folgen zu je 30 Minuten beinhalten und startet weltweit auf Netflix am 28. April 2017 – wer nicht so lange warten will, kann sich den originalen Indie-Film jetzt schon über den Streamingdienst anschauen.




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