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(c) dhm.de

Deutschland als Kolonialmacht – Ausstellungen im Deutschen Historischen Museum

Wie geht man damit um, wenn z.B. der eigene Urgroßvater Teil einer Kolonialmission war? Die Antwort liefert die Fotoausstellung „Kamerun und Kongo“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin und eine Sonderausstellung zum Deutschen Kolonialismus.

Deutschland wird als Kolonialmacht oftmals vernachlässigt oder gar vergessen, obwohl dieser Aspekt -von 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 – durchaus einen wichtigen Teil der Geschichte darstellt. Alltägliche Überlegenheitsansprüche und Gewalt münden unter anderem in den Kolonialkrieg in Namibia, der 1904 mit Völkermord der Herero und Nama endet – deren Nachfahren derzeit übrigens Deutschland auf Entschädigung verklagen. Die Deutsche Bundesregierung hatte das militärische Vorgehen der Truppen erstmals vor zwei Jahren als Völkermord anerkannt und sich erst 2016 offiziell entschuldigt – bzw. eigentlich eher den Willen gezeigt, dies zu tun.

Die große Ausstellung „Deutscher Kolonialismus – Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ mit mehr als 500 Exponaten im Deutschen Historischen Museum will die Ideologie offenlegen, die hinter diesen Verbrechen und Reisen steckt – nämlich der europäische Überlegenheitsgedanke.

Gleich zu Beginn der Ausstellung steht die Schlussakte der Berliner Afrika-Konferenz vom 26. Februar 1885, an der 14 Nationen teilnahmen. Durch den Ausschluss afrikanischer Vertreter wird deutlich aufgezeigt, wie essenziell wichtig diese Konferenz als zentraler Erinnerungsort deutscher und europäischer Kolonialgeschichte ist.

Repro Oliver Ziebe, Weddingenweg 67

Zinnfiguren, Nürnberg, um 1900 © Stiftung Stadtmuseum Berlin / zur Verfügung gestellt von dhm.de

Die Motive der Missionare, Beamten, Militärs, Siedler oder Kaufleute auf deutscher Seite bekommen ebenso Gehör, wie der Versuch die Interessen der Kolonisierten darzustellen. Die Ausstellung vergisst dabei nicht zu fragen, inwieweit die Perspektiven der kolonialisierten Bevölkerung in der historischen Überlieferung beachtet wurden. Ein weiterer Aspekt beschäftigt sich mit den umfangreichen Sammlungen und Archiven, die in der Kolonialzeit entstanden sind und untersucht deren Aussagen über Machtverhältnisse.

Doch warum ist diese Vergangenheit so selten Thema? Auch in dieser Hinsicht machen sich die Kuratoren Gedanken und geben zu bedenken, dass das koloniale Bewusstsein weit über 1919 hinausging. Deshalb wurde Raum für gegenwärtige Beschäftigung mit den betroffenen Gebieten Afrikas und der deutschen Verarbeitung gegeben.

Die ebenfalls bereits letztes Jahr gestartete Fotoausstellung „Kamerun und Kongo –  Eine Spurensuche und Phantom Geografie von Andréas Lang“ bietet einen sehr persönlichen Zugang zu diesem Thema.
Wie reagiert man, wenn man als Deutscher eines Tages durch alte Tagebücher erfährt, dass der Urgroßvater Teil dieser Geschichte ist und von 1909 bis 1914 in der sogenannten „Schutztruppe“ der damaligen deutschen Kolonie Kamerun gedient hat?

Der Fotograf Andréas Lang sichtete historische Aufnahmen und begab sich damit auf Spurensuche nach Tschad, Kamerun, in die Zentralafrikanische Republik und in das Grenzgebiet des Kongo. Dabei entstanden Fotografien und Videoinstallationen, die sich mit den Hinterlassenschaften der deutschen Kolonialgeschichte auseinandersetzen und eindrucksvolle Orte zeigen.

Deutscher Kolonialismus – Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart
noch bis 14. Mai 2017

& die Fotoausstellung
Kamerun und Kongo – Eine Spurensuche und Phantom Geografie von Andréas Lang
nur noch bis 26. Februar 2017

Ort:
Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin

Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt bis 18 Jahre frei
8 €, ermäßigt 4 €

https://www.dhm.de




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