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Dürfen weiße Menschen Schwarze Filme kritisieren?

Bevor ihr mich mit Fackeln und Heugabeln verfolgt – hier erst mal die Antwort zu der Debatte: YES YOU CAN. Aber es gibt ein paar Punkte, die zu beachten sind – sonst geht es in die Hose.

Gerade geistert ein Ausschnitt aus einer Filmkritik durchs Internet, die ordentlich daneben ging. „Moonlight“ ist cool, da merkt man gar nicht, dass es nur Schwarze sind – die sind wiederum nicht cool und ganz anders, oder wie?

Quelle: https://twitter.com/MickyBeisenherz/status/839756808390598657

Quelle: https://twitter.com/MickyBeisenherz/status/839756808390598657

Es gibt, wie bei vielen Themen – Haaren, Benennungen, usw. – ein „Rule Book“ und da endlich mehr Diversität in den Oscars läuft und ein paar von euch gezwungenermaßen (ENDLICH) Schwarze Filme schauen müssen, hier ein paar Regeln.

Mehr als Sklaverei

Die Geschichte der Schwarzen Kultur basiert nicht nur auf Sklaverei, Malcolm X oder armen Drogen-Dealern, die zu Rappern wurden.

Was heißt das? Tja, ganz einfach. Wenn eine Biographie über drei wunderbare, intelligente Schwarze Frauen rauskommt, die a) nicht geschlagen oder vergewaltigt werden und sich b) nicht wie Ghetto-Bräute benehmen, macht es den Film nicht weniger interessant oder sehenswert. Ich weiß, es ist schwierig für euch zu akzeptieren, dass Schwarze auch andere Rollen besetzen können, aber genau das passiert im Moment – also schnallt euch an.

Natürlich gibt es, wenn man „Hidden Figures“ mit den Filmen vergleicht, die in den letzten Jahren bei Award Shows abgeräumt haben, sicher bessere. Obwohl ich bereit wäre darüber zu debattieren, ABER wenn ich die Aussage höre wie, „Ich fand den Film gut, aber wenn man ihn mit “Twelve Years a Slave” vergleicht, dann war diese Biografie viel besser.“

“Twelve Years a Slave“? Really? Das ist der einzige Film, mit dem man „Hidden Figures“ vergleichen könnte? Wo liegen da bitte die Parallelen? Obwohl Moment, mein Fehler. Beide Schwarze Filme. A moment of silence please.

via GIPHY

Ihr müsst euch nicht immer komplett mit den HauptdarstellerInnen indentifizieren können

Versucht es mal. Ich versichere euch, es funktioniert. Habe ich mein Leben lang gemacht. Wenn als Kind doch einmal eine Schwarze Schauspielerin in einem Film mitwirkte, musste ich automatisch sie „spielen“. Es wäre ja komplett undenkbar für mich eine Weiße zu sein.

Zum Beispiel bei X-Men. Ich wollte immer Jean Grey sein, musste aber Storm spielen. Ja, Halle Berry ist klasse – aber trotzdem.

Also wenn ich dann die Aussage höre: „Fences war toll, aber Viola Davis als Beste  Nebendarstellerin? Ich weiß nicht. Die ganze Story hat sich voll in die Länge gezogen und wurde schon langweilig. Außerdem, gibt es doch so viele andere Schauspielerinnen, die besser waren – mehr reparable.“ Natürlich. Weiße werden für dich immer besser sein!

absolut verdienter Oscar..und Emmy...und Tony Award (c) Jordan Strauss/Invision/AP/ Jordan Strauss

absolut verdienter Oscar…und Emmy…und Tony Award (c) Jordan Strauss/Invision/AP/ Jordan Strauss

Was bitte sind Klassiker?

Man hat oft von mir verlangt, dass ich Filme kenne oder gesehen habe, die unter dem Stichwort „Klassiker“ laufen. „Taxi Driver“ oder „Der Pate“ zum Beispiel – nicht falsch verstehen – absolut geile Filme. Aber was ist mit meinen Klassikern? Die Filme, in denen nicht nur weiße Männer die Hauptrolle spielen, sondern auch mal ein schwarzer Mann. Oder Gott behüte, eine Schwarze Frau – „Die Farbe Lila“, „For Colored Women“, „Imperial Dreams“? „Belle“?  „Precious“? „How Stella got her groove back”? Nee?
Da sind  ebenfalls absolute Klassiker dabei – manche etwas moderner zugegeben. Aber schaut die mal! Ich schau euch in Zukunft auch ungläubig an, wenn ihr die nicht gesehen habt.

Dear white people,

Eine neue Regel: Um einen Schwarzen Film in seiner ganzen Bedeutung und Pracht kritisieren zu dürfen, sollte man mindestens 10 Schwarze Filme gesehen haben. Filme, die einen weitaus größeren Umfang an Schwarzen Kultur haben und nicht nur die Sklaverei betreffen. Nicht unbedingt Hollywood Blockbuster, sondern Werke, die von Schwarzen Regisseuren oder Schwarzen Drehbuchautoren gemacht wurden. Erweitert doch euren Horizont – denn es gibt eine große Anzahl von Filmen, die qualitativ so gut sind, wie alle anderen auch. Und vergisst nicht: Filme sind dafür da, um zu informieren, zu unterhalten und uns zum Nachdenken zu bringen.

Also seid nicht immer so streng und verlasst eure Comfort-Zone!




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