Couldn't resolve host '17-edu.allmediacloud.com' „Wie unsere Töchter zu selbstbestimmten Frauen werden“ – Chimamana Ngozi Adichie | FRESH MAGAZINE
adichie_jackson_large

(c) Karen Jackson

„Wie unsere Töchter zu selbstbestimmten Frauen werden“ – Chimamana Ngozi Adichie

Chimamana Ngozi Adichie’s neues Manuskript „Liebe Ijeawele: Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden“ ist ein Brief an ihre Freundin Ijeawele mit Vorschlägen für eine feministische Erziehung – und damit zugleich eine Liebeserklärung an den Feminismus selbst. Wir haben eine Auswahl ihrer Vorschläge für euch zusammengetragen.

Feminismus. Ein Wort, das eine lange Reihe an positiven, aber für viele auch eine ebenso lange Ansammlung an negativen Assoziationen weckt. Dass Feminismus in unserer heutigen Gesellschaft nach wie vor dringend gebraucht wird, sollte inzwischen eigentlich keine Debatte mehr sein. Wie man die angestrebte Gleichstellung von ihrem akademischen Podest hinein ins heimische Wohnzimmer und in die Mitte unserer Gesellschaft bringt, jedoch sehr wohl. Vor allem in der Kindererziehung sehen sich Mütter hier oft vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Die Theorie ist klar – aber die Umsetzung?

Die Autorin von Werken wie „Americanah“, „Purple Hibiscus“ und „We should all be feminists“ ,Chimamanda Ngozi Adichie, geht in ihrem neuen Manifest genau dieser Frage auf den Grund und liefert uns fünfzehn Vorschläge für eine feministische Erziehung.

Wir haben eine Auswahl davon für euch zusammengetragen: 

Sei eine vollständige Person

„Mutterschaft ist ein großartiges Geschenk, aber definiere dich nicht nur über die Mutterrolle. Sei eine vollständige Person. Dein Kind wird davon profitieren.“ (S.15)

Eine Mutter zu sein bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben. Weiterhin zu arbeiten heißt nicht, die Kinder zu vernachlässigen, sondern sich Unabhängigkeit und Selbstvertrauen zu erhalten und seinen Kindern diese Werte weiter zu geben. Hilfe anzunehmen bedeutet kein Versagen.

Erkläre ihr, dass „Geschlechterrollen“ absoluter Blödsinn sind 

„’Weil du ein Mädchen bist‘ ist nie ein Grund für irgendetwas. Nie.“ (S.22) 

Die Fähigkeit, ein genießbares Essen zuzubereiten, ist keine weibliche Eigenschaft. Wir sollten aufhören zu versuchen, bereits kleine Kinder in vorgefertigte Geschlechterrollen zu stecken. Mädchen sollten nicht nur mit Puppen und Jungen nicht nur mit Hubschraubern spielen dürfen. Wir sollten Kindern den Raum geben, ihre Stärken und Schwächen, ihre Vorlieben und Abneigungen individuell und über Geschlechtergrenzen hinweg zu entwickeln.

510g5pPGhhL._SX301_BO1,204,203,200_
Bring ihr bei, Sprache zu hinterfragen

„In der Sprache bewahren wir unsere Vorurteile, unsere Glaubensvorstellungen, unsere Annahmen auf. Aber um ihr das beizubringen, wirst du deine eigene Sprache hinterfragen müssen.“ (S.37)

Kinder brauchen klare, einfache Worte. Über Feminismus zu sprechen benötigt keinen Fachjargon, es erfordert Beispiele aus dem Alltag. Es bedeutet, eine Mechanikerin nicht „weiblicher Mechaniker“ zu nennen und zu Mädchen nicht „Prinzessin“ zu sagen. Und es bedeutet, Kindern zu erklären, dass es nicht nötig ist, Frauen zu verehren oder sich für sie einzusetzen als wären sie nicht selbst dazu fähig, sondern sie einfach nur gleichberechtigt zu behandeln.

Sorge dafür, dass sie es nicht darauf anlegt zu gefallen

„Ihre Aufgabe ist es nicht, sympathisch zu sein, ihre Aufgabe ist es, ganz und gar sie selbst zu sein, ein Selbst, das aufrichtig und sich der Gleichberechtigung anderer Menschen bewusst ist.“ (S. 49) 

Es ist genauso wenig die Aufgabe von Frauen, jedem zu gefallen, wie es die der Männer ist. Auf Kosten der eigenen Selbstachtung und der eigenen Wahrheit nur aus Rücksicht vor den Gefühlen Anderer nett zu sein, sollte niemals eine Option sein. Freundlichkeit ist durchaus eine Tugend, sie sollte jedoch keine Selbstverständlichkeit sein. Mädchen sollten wissen, dass sie nicht nur gemocht oder nicht gemocht werden können, sondern dass auch sie selbst mögen oder nicht mögen können.

Wenn du über Unterdrückung sprichst, achte darauf, die Unterdrückten nicht zu Heiligen zu erklären

„Heiligkeit ist keine Voraussetzung für Würde.“ (S.76)

Frauen haben ebenso viele Stärken und Schwächen, wie sie Männern zu eigen sind und sie sind ebenso wenig zwangsläufig Feministinnen, wie Männer frauenfeindlich. Das Recht auf Gleichberechtigung ist nicht davon abhängig, ob die Empfängerin den eigenen moralischen Standards genügt. Es ist universell.

Chimamanda Ngozi Adichie’s neustes Werk ist nicht nur eine Liebeserklärung an den Feminismus, es regt auch zum Nachdenken an. Auf rund 80 Seiten versucht sich die Autorin an Vorschlägen zur feministischen Erziehung und pocht dabei vor allem auch auf eines: „Ich bin wichtig. Ich bin gleich wichtig. Nicht „falls“. Nicht „solange“. Ich bin gleich wichtig. Punkt.“ (S.12).

Um eine feministische Erziehung zu gewährleisten, braucht es neben viel Herzblut die Fähigkeit, Dinge kritisch zu hinterfragen. Das beinhaltet äußere Umstände. Es beginnt jedoch bei uns selbst.

Und weil uns Feminismus wichtig ist, lest ihr an dieser Stelle in den nächsten Tagen auch etwas über das neue Frauenvolksbegehren.




There are no comments

Add yours