pixiz-03-05-2017-18-32-46

Oh no...tindernightmare

„Ich wollte immer schon mal eine Schwarze vögeln“

Dating und Geschichten übers Dating – wir alle kennen sie zuhauf. Auf Rassismus durch Dating-Apps, Dick Pics von FPÖ-Anhängern und Porno-Kategorisierung war ich allerdings nicht vorbereitet – echt nicht!

Dating-Blogs gehören bis jetzt nicht zu meinem Resümee. Ich war nie sonderlich interessiert am anderen Geschlecht, hatte eher meine eigenen Pläne im Kopf und bin generell sehr schüchtern, wenn es ums flirten geht. Seit zweieinhalb Jahren ertappe ich mich allerdings auch dabei, Männer nicht mehr so „Ewwww!“ zu finden. Wenn man mit 25 noch keine Beziehung hatte, weil man nicht unbedingt eine braucht und es nicht irgendwer sein soll, steht einem die Dating-Welt eh irgendwie offen und man findet schon seinen Match – denkt man zumindest. Ich lag falsch. Nach fast 30 Monaten Dating-Erfahrung – sowohl offline als auch online – bin ich leicht entsetzt, aber relativ froh, dass ich kein unbedingter Beziehungsmensch bin.

Der Donaukanal als Schauplatz des Horrors

Da ich zunächst der Meinung war, dass online nur Sexhungrige zu finden sind, datete ich Typen, die mich im Supermarkt oder am Heimweg anquatschten. Dass das schlimmer als in jeder Dating-App enden würde, wusste ich noch nicht. Also ging ich mit dem 25-Jährigen, der in einer Zielpunkt-Filiale nach meiner Nummer fragte, spazieren. Während es mich schon aufregte, dass er mich ständig Afrikanerin nannte, erreichte er mit der Aussage „Schwarze Frauen stinken im Normallfall, aber du riechst eigentlich gut!“ meine persönliche Schmerzgrenze. Abgesehen davon, dass er allen Schwarzen Frauen unterstellt Perücken zu tragen, weil ihre Haare so hässlich sind. Meine waren zu diesem Zeitpunkt geglättet. #boybye

Leute, die mich im Club als „N**** Bitch“ bezeichneten, haben ebenfalls kein Interesse in mir geweckt. Genauso wenig wie die Kommentare von einigen Männern, wie gern sie mal mit einer Schwarzen vögeln würden – zum Ausprobieren.

via GIPHY

Kann ja nicht mehr schlimmer werden

Irgendwann zwischen gelesenen Vice-Storys kam auch bei mir Neugierde nach Tinder und Co. auf. Es ist nicht überraschend, dass dort fast dasselbe auf mich wartete. Kommentare über meine Lippen und was ich mit ihnen tun könnte, hängen mir zum Hals heraus. Note: Nach diesem Satz machen meine Lippen mit dir genau gar nichts, honey!

Ich versteh ja, dass du horny bist. Mir aber schreiben, dass ich fix Hüften und einen „geilen Booty“ habe und zum Tweerken vorbeikommen soll, ist einfach nur extrem dämlich. Abgesehen davon, dass nicht jede Schwarze Frau dem Hip-Hop-Video Traum entspricht, heiße ich auch nicht „Black Mama“. Die Stereotype, die ewig weitertransportiert werden, kommen hier grandios ans Tageslicht. Laut einem großen Teil der männlichen Bevölkerung bin ich leicht zu haben und eine Granate im Bett. Das haben sie so gehört und einen Fetisch entwickelt.

Bediene dich auf youporn in der Kategorie „Ebony“, aber lass mich bitte in Ruhe!

Nah. aber ich verzichte gerne auf deine 2 Meter.

Nah. Aber ich verzichte gerne auf deine 2 Meter. Thanks for asking!

Typ P

Der Unreflektierte, nennen wir ihn Typ P für Privilege, ist mir sowohl Online als auch in der Realität oft begegnet. Mit Themen wie Rassismus, Sexismus und Homophobie setzt er sich nur wenig auseinander – die sind langweilig. Er hat so gut wie keine eigene Meinung und schnappt mal da, mal dort einige Bröckchen auf, die er dann reproduziert. Die Länder, die er – nachdem er sich als Traveler bezeichnet – kennen sollte, hat er nur durch die Tourismus-Brille betrachtet. Feminismus ist Emanzen-Sache, der ihm nur gelegen kommt, wenn er beim Date nicht alles zahlen muss. Sport und der Gym sind wichtig, den jeder der nicht dem idealen Schönheitsbild entspricht, ist automatisch hässlich und zu faul. Wenn man erwähnt, dass einem etwas in der U-Bahn passiert ist, dass man nur durch Rassismus erklären kann, hagelt es Desinteresse oder ein „Geh du übertreibst!“. Soziale Ungerechtigkeit hält er für einen Mythos und Bildung bzw. das Recht darauf, ist nebensächlich.

Typ P ist nicht per se böse oder dumm. Er hat allerdings viel zu viele Privilegien, um sich jemals Gedanken jenseits seiner selbst gemacht zu haben. Gut, man könnte es ihm lernen – ich habe allerdings wenig Bock, Mama oder Lehrerin zu spielen.

A little something for you!

A little something for you!

Dick Pics powerd by Norbert Hofer

„Hey Süße, würd dich gern kennenlernen!“ – diese Art der Message bei den Nachrichtenanfragen ist immer eigenartig, besonders wenn man sich die zugehörigen Profile ansieht. Einen noch merkwürdigeren Touch bekommt das Ganze, wenn der Sender dieser Nachricht ein FPÖ- oder „Heimat“-verbundenes Titelbild besitzt. Oder mein persönliches Highlight: ein Dick Pic von einem treuen Norbert Hofer-Fan. Außer das der ungebetene Anblick eines fremden Penises sowieso verstörend ist, stellt sich die Frage, wie FPÖ-Anhänger und ich zusammenpassen sollten.

Generell fällt es mir auf, dass mich relativ viele Männer ansprechen, die dem rechten Gedankengut nahe sind. Scheinbar halten sie mich für dümmer und einfacher zu begeistern, als eine österreichische Frau. Wer nichts versteht, kann nicht zurückreden und hinterfragt wenig. Das klassische Frauenbild eines Rechten beinhaltet ja eine Gefährtin, die gerne kocht und putzt, freiwillig bei den Kindern zuhause bleibt und am besten nicht zu viel Bildung besitzt. Sie können den starken Mann spielen, der sie augenscheinlich nicht sind, sonst bräuchten sie keine Bestätigung. Dass ich mich in allen Aspekten von dieser Traumfrau unterscheide, scheint oberflächlich nicht sichtbar zu sein – okay, kochen tue ich gerne…

Screenshot: random Facebook Profil

Screenshot: random Facebook Profil

Der Preis für die rassistischte Dating-App geht an…

Once. Vor ein paar Monaten kam die App nach Österreich mit dem Ziel, Tinder den Kuppel-Thron streitig zu machen und zwar nicht mit Hook-Ups, sondern mit echten Beziehungen. Statt hunderte Dudes oder Girls, die man links-rechts swipen kann, bekommt man nur einen Vorschlag pro Tag. Der wird von echten Menschen, den Matchmakern, ausgewählt. Liest man die Infos genau, erfährt man allerdings, dass diese Cupids leider nur Bilder und einzelne Infos wie das Alter vorgelegt bekommen. Nach zwei Wochen Test folgende Erkenntnis: Sie matchen ausschließlich nach Aussehen – ergo in meinem Fall nach Hautfarbe.

All meine Vorschläge hatten in etwa meinen Hautton oder dunkler – darunter waren neben Schwarzen auch Inder und Menschen aus dem arabischen Kulturkreis. Gemeinsamkeiten hatten wir ansonsten keine. Erst als ich ein Kriterium veränderte, das Häkchen bei allen Ethnien rausnahm und zum Test Schwarze und Muslime ausschloss, wurde meine Auswahl auf Asiaten und Weiße ergänzt. Wer als Religionsgemeinschaft oder Ethnie unter sich bleiben will, für den ist Once eine gute Möglichkeit. Wer weltoffen ist und Leute gerne aufgrund von gemeinsamen Interessen kennenlernt, sollte diese Plattform meiden. Allein die Möglichkeit gewisse Ethnien auszuschließen, halte ich für sehr bedenklich.

Screenshot: Dating-Platform Once

Screenshot: Dating-Platform Once

 

Wieso datest du keine Schwarzen Männer?

Generell glaube ich nicht daran, unter sich bleiben zu müssen. Allerdings habe ich es natürlich nie ausgeschlossen, einen Schwarzen Mann zu daten. Mir ist bis dato leider noch nicht wirklich einer über den Weg gelaufen, der mich normal angesprochen hätte. Ich weiß nicht wirklich, woran das liegt. Wahrscheinlich daran, dass ich zwischen Uni und Job wenig Zeit habe, neue Orte und damit neue Leute kennenzulernen. Den täglichen „Hey, woher kommt dein Vater?“-Talk schließe ich da jetzt aus. Manchmal höre ich allerdings auch von Mr. Unbekannt, dass Gott unsere Ehe vorausbestimmt hat. Ich bin Atheistin und ob ich heiraten will, kann ich auch noch nicht sagen – kirchlich schon mal nicht. Der Spruch: „Saw you from across the street. You are very pretty but you need Jesus“, wirkt also nicht. Eine normale Einladung, etwas trinken zu gehen, reicht völlig aus.

Es gibt natürlich hier die, die im Besonderen auf „Mixed Girls“ oder sogenannte Lightskins stehen und dich nur deshalb ansprechen. Aber again, dieses Phänomen ist auch bei den white boys da draußen keine Seltenheit.


Jap, talking about you.

More issues than Vogue

Mir ist klar, dass Rassismus nicht für alles verantwortlich ist – auch nicht für mein Singledasein. Mehr Geschichte-Nerd als Partygirl, mit einer absoluten Abneigung gegen Bodyshaming und jeglicher Art von Ungerechtigkeit, heißt einfach den Ausschluss von vielen Dating-Optionen. Meine Daddy Issues in Form von – bitte sei meinem Vater absolut nicht ähnlich – helfen auch nur minder. An Offenen Beziehungen und Polyamorie finde ich nichts verwerflich, kann es mir für mich allerdings nicht vorstellen. Drogen sind auch ein No-Go. Aber hey, dafür stehe ich nicht auf Muckis und nehme auch jemanden ohne fettes Bankkonto. Wenn ich mir aber meine bisherigen Erlebnisse in Erinnerung rufe, muss ich sagen: Nah, I’m good

Gut, wir können abortion gegen drugs tauschen! Get ready! / Meme: the interwebz

Gut, wir können abortion gegen drugs tauschen! Get ready! / Meme: the interwebz




There are no comments

Add yours