Couldn't resolve host '17-edu.allmediacloud.com' Aufregung um die Quote – die USA & ihre Bildungsfragen | FRESH MAGAZINE
AffAct

(c) African American Policy Forum

Aufregung um die Quote – die USA & ihre Bildungsfragen

Vor Kurzem ging ein weiterer Zug der US-Regierung viral – die Civil Rights Division verschiebt Ressourcen, um sich näher mit Diskriminierung aufgrund ethnischer Zugehörigkeiten an Universitäten zu befassen. Die fokussierte Gruppe in diesem Szenario ist jedoch nicht, wie fälschlicherweise anfänglich vermutet, eine der vielen ethnischen Minderheiten in den U.S.A., es sind – warte, es kommt gleich – weiße, amerikanische StudentInnen.

 Wer jetzt kurz eine Augenbraue nach oben zog und leise „What the…?“ vor sich hin murmelte, dem ging es wohl ähnlich wie uns, als wir von dieser Sache das erste Mal hörten.

Die Idee des Affirmative Action Konzepts existiert bereits seit der Einführung der Equal Employment Opportunity Commission durch John F. Kennedy 1961. Grundsätzlich geht es darum, gesellschaftspolitische Maßnahmen zur Eröffnung von Chancengleichheit für alle amerikanischen BürgerInnen, gleich welchen Geschlechts oder welcher ethnischen Zugehörigkeit einzuführen. Das heißt, gleiche Voraussetzungen für jede/n amerikanische/n EinwohnerIn zu schaffen und dies durch spezielle Maßnahmen und Gegenmaßnahmen auch zu ermöglichen. 1965 sprach Präsident Lyndon B. Johnson über die Grundidee der Affirmative Action:

You do not take a man who for years has been hobbled by chains, liberate him, bring him to the starting line of a race, saying, ‚you are free to compete with all the others,‘ and still justly believe you have been completely fair… We seek not just freedom but opportunity, not just legal equity but human ability, not just equality as a right and a theory, but equality as a fact and as a result.

Affirmative Action betrifft also etwa Maßnahmen in den Bereichen Ausbildung und Beruf, in Hinblick auf die derzeitige Situation also auch Regelungen, um ethnischen Minderheiten den Zugang zu Bildung in Hinblick auf historische systematische Benachteiligung zu erleichtern. Dieser grundsätzlich durchaus positive Ansatz eines Versuchs zur Herstellung von Chancengleichheit bleibt jedoch nicht ohne Kritiken – und das auch nicht erst seit der Ära Trump.Bildschirmfoto 2017-08-22 um 06.51.56

Diese beinhaltet unter anderem die Theorie, dass Affirmative Action wiederum zu einem Gefühl fehlender Zugehörigkeit führt, da der Status der Andersartigkeit weiterhin überproportional betont wird. (Um dieses Argument etwas zu entkräften, ohne die Konsequenzen von Othering, sei es positiv oder negativ, zu denunzieren: Dafür reicht es als POC auch oft, einfach nur aus der Haustür zu gehen). Vor allem der Vorwurf, durch die positive Diskriminierung des Einen, sei die negative Diskriminierung des Anderen unvermeidlich, stößt auf regen Zuspruch und ist jene Kritik, auf der die derzeitige Affirmative Action Affair fußt. Bereits 2008 erregte der Fall Fisher Vs. University of Texas reges Aufsehen, als die weiße, texanische Studentin Abigail Fisher ihre Universität auf Grundlage der „Rassendiskriminierung“ verklagte. Auch Stimmen über die Effektivität der Maßnahme werden laut.

Streit um die Quote

Alles in allem also Kritiken, die in Hinblick auf die Frauenquote auch in Österreich seit jeher vorgebracht werden; die Kritik der Diskriminierung von Männern, die Theorie der Bestärkung von sexistischen Gesellschaftsstrukturen, sowie die Befürchtung, durch eine Quotenregelung würde die arbeitsmarkttechnische Qualifikation absinken, stehen hierbei meist im Vordergrund. Die Frage nach einer Männerquote, etwa in sozialen oder Pflegeberufen gerät ebenfalls häufiger in den Fokus der Diskussion.

Die Debatte um die gesellschaftspolitische Maßnahme ist demnach keine, die erst seit der Trump-Regierung und dem generellen Zulauf konservativer Parteien existiert, sie lässt jedoch jedes Mal aufs Neue die Emotionen hochkochen. Auch die Daily Show behandelt die Affirmative Action Affair in einer ihrer Sendungen. Trevor Noah versucht die Sache offensichtlich mit Humor zu nehmen.