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Von Aneignung und Zueignung

Der Trend ist bekannt – Back to the Roots ist „in“ und führt zu einer Menge Cultural Appropriation. Aber warte mal – kann man eigentlich die Kultur von Schwarzen appropriaten, wenn man selbst Schwarz ist?

Viele Musiker, wie zum Beispiel French Montana und Omarion, haben Wind von dem Trend bekommen und nutzen die anwachsende Popularität von Afrobeatz auf gezielte Weise in ihren Musikvideos. Musikikone Beyoncé hat Elemente aus der afrikanischen Diaspora bereits in mehrere Videos eingebettet. Alle sind afroamerikanische Künstler. French Montana selbst ist sogar in Afrika (Marokko) geboren und hat seine direkten Wurzeln dort. Doch eines haben alle gemeinsam, der Vorwurf der kulturellen Aneignung findet sich auch unter ihren youtube-Videos und Instagram-Posts.

Der Begriff „Cultural Appropriation“ wurde in den letzten Jahren von zahlreichen sensiblen Internetnutzern verwendet, um dumme Handlungen aufzuzeigen – aber er wurde genauso oft missbraucht. Beyoncés Entschluss westafrikanische Ästhetik in ihre Videos und Performances miteinzubeziehen, sollte nicht mit Twerk-Stunts von Miley und den Rap-Auftritten von Iggy verwechselt werden. Nicht nur, weil sie selbst Schwarz ist, sondern weil sie anders an die Sache herangeht. Weiße, die Rap machen, sind nicht alle per se respektlos. Wenn sie aber davon profitieren, dass andere weiße Menschen lieber ihre Musik unterstützen, als die eines talentierten Schwarzen Künstlers, sollten sie sich darüber allerdings Gedanken machen.

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Was viele scheinbar nicht bedenken: Cultural Appropriation geschieht dann, wenn man die Eigenschaften einer bestimmten Kultur nachahmt und diese für sich selbst in Anspruch nimmt oder falsch repräsentiert. Ebenfalls inbegriffen ist es, wenn man von einer fremden Kultur profitiert, während die Menschen aus dieser Kultur für die gleiche Sache gebasht/verurteilt werden.

Schwarze, die glatte, blonde Haare tragen, machen sich in dieser Hinsicht jedoch nicht schuldig. Das ist eher Anpassung oder einfach Präferenz. Bei nicht-Schwarzen Menschen, die Braids tragen, steckt oft mehr dahinter. Sollte es allerdings persönliche Präferenz und Bewunderung sein, ist daran ebenfalls nichts verwerflich. Aber: Cornrows sind echt keine von Kim Kardashian erfundenen Boxer Braids und Dreadlocks sind bei einer weißen Person nicht „sauberer“ als bei einer Schwarzen!

Hier nochmal zur Verdeutlichung:

Rachel Dolezal – eine ehemalige Bürgerrechtlerin, die sich als African-American „identifiziert“ (WTF?) und in Braids, Cornrows und gebräunter Haut herumläuft – weil ja ausschließlich das Aussehen die Ethnie bestimmt. DAS ist Cultural Appropriation!

Beyoncé Knowles – eine Afroamerikanerin, die als Künstlerin mit Neuem überrascht und in ihren Performances und Musikvideos westafrikanische Elemente und auch Künstler respektvoll erwähnt. DAS ist Cultural Appreciation!

Iggy Azalea – eine weiße Künstlerin, die Rap macht, kann sowohl appropriaten, als auch appreciaten – je nachdem, wie sie an die Sache herangeht. In der Vergangenheit sahen wir allerdings eher Appropriation.

Schwarze können sich ebenfalls aufs dünne Eis begeben

Dass afrikanische Künstler in der gegenwärtigen Mainstream Pop-Kultur gepusht werden, ist eine tolle Sache. Wenn deren Werk bewundert und mit Einverständnis verwendet wird, ist alles in Ordnung. Doch auch Schwarze können mit ihren Versuchen danebenliegen, wenn kein Credit gegeben oder eine andere Kultur ohne Respekt behandelt wird. Wenn eine Schwarze Person sich nicht mit einer Kultur aus einem bestimmten Teil Afrikas beschäftigt, einen rituellen Aspekt dieser aber als süßes Partyoutfit trägt – ohne Rücksicht auf die jeweilige Tradition zu nehmen – ist es ebenfalls Appropriation. Bei komplett fremden Kulturen, ist dies natürlich einfacher zu sehen.

https://www.instagram.com/p/BYTgikaAkAb/

 

Manchmal ist die Linie zwischen Appropriation und Appreciation recht dünn. Anstatt aber überall mit dem Finger zu zeigen, sollte man zuerst nachdenken, worüber man sich eigentlich aufregen möchte und ob der bevorstehende Shitstorm gerechtfertigt ist. Außerdem ist es aus der Ferne nicht immer einfach einzuschätzen, inwieweit sich jemand mit einer bestimmten Kultur beschäftigt hat.

Eine Meinung von Bih Fon & Vanessa Spanbauer