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Der Herausgeber Nikesh Shukla, © ShamPhat Photography

Buchtipp: Nikesh Shukla’s „The Good Immigrant“

Wie fühlt es sich an, immer am Rande der Gesellschaft zu stehen, als potenzielle Gefahr angesehen zu werden und für dieselbe Anerkennung konstant mehr leisten zu müssen? Wie gestalten sich der Identitätsfindungsprozess und die Suche nach einem Platz in der Gesellschaft, wenn Medien den konstanten Eindruck vermitteln, man würde gar nicht existieren?

When I was four years old, I tried to jump out of my bedroom window. No, I wasn’t ending it all before academia drowned my youthful optimism in a sea of social awkwardness and HB pencils. I was trying to be a Teenage Mutant Ninja Turtle.“ Himesh Patel, S. 57

Wenn uns Geschichten über das Anderssein, das Leben am Rande der Weißen Mehrheitsgesellschaft, Rassismus oder Diskriminierung zu Ohren kommen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Erzählungen aus den U. S. A. oder aus dem amerikanischen Kontext handelt, doch relativ groß.

Gerade Berichte aus Europa gelangen, sofern sie nicht die derzeitige Flüchtlingskrise thematisieren, doch seltener in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Geschichten, welche von ethnischen Minderheiten selbst erzählt werden und in welchen sie nicht nur das Objekt der Berichterstattung darstellen, sondern auch selbst zur medialen Öffentlichkeit und Diversifizierung des öffentlichen Diskurses beitragen, sind noch um einiges seltener.

When you’re young, you translate yourself through representations of people who look like you. And when those characters look like you, but were of a different continent, and a different culture, it invited kind of a cognitive dissonance“ Reni Eddo-Lodge, S. 79
[…] the story that everyone can relate to, the character that we as an audience are supposed to be able to project ourselves onto with the most ease, the ‚universal‘, is white. The default is always white.“Bim Adewunmi, S. 209

Selbiges dachte sich auch Nikesh Shukla, Autor von Coconut Unlimited und Meatspace – und veröffentlichte eine Essaysammlung von 21 AutorInnen, JournalistInnen, DrehbuchschreiberInnen, SchauspielerInnen, PoetInnen und KünstlerInnen die aus ihrer Perspektive darüber schreiben, was es heißt, im Großbritannien der Gegenwart einer ethnischen Minderheit anzugehören. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

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Die Essays handeln davon, warum Migration passiert, welche Gründe für das Bleiben sprechen und welche für das Gehen. Davon, wie es ist, weder in Großbritannien noch im Land der Eltern wirklich hineinzupassen, oder in den Medien nicht oder nur unzureichend repräsentiert zu werden. Darüber, wie es ist, zu einem unfreiwilligen und inkorrekten Meme zu werden, weil die Religionszugehörigkeit quasi mit dem optischen Erscheinungsbild mitgekauft wird. Davon, dass alle Helden Weiß sein müssen und welcher Zusammenhang sich zwischen Mode und Stereotypen ergibt. Sie sprechen von den Erfahrungen als „Mixed Kid“ und vom inflationären Gebrauch des indischen Grußwortes „Namaste“ in der Yoga-Branche. Über die Fetischisierung Nicht-Weißer Körper, den Zusammenhang von angebotenen Schauspielrollen mit der eigenen ethnischen Identität (Hint: es ist kein guter) und setzten sich mit der „Model Minority“ asiatischer Immigranten auseinander.

I do think it’s interesting that this idea about being a model minority is tied up essentially with being quiet.“ Katy Lee im Interview mit Wei Ming Kam, S. 91f

Die Geschichten mögen vielleicht nicht neu sein, was sie uns jedoch verdeutlichen ist, dass trotz aller Unterschiede die Gemeinsamkeiten in den Erfahrungen ethnischer Minderheiten doch überwältigend sind und gewisse Erfahrungen universal zu sein scheinen. Wenngleich sich Diskurse um bereits etablierte Theorien oder um Selbstbezeichnungen in dieser Essaysammlung kaum finden lassen, so wird das Konzept des „guten Immigranten“ sehr wohl in den Vordergrund gestellt. Der Fokus liegt jedoch auf dem Teilen von Erfahrungen ethnischer Minderheiten im europäischen Kontext und auf persönlicher Ebene. Es geht hierbei nicht um wissenschaftliche Abhandlungen oder Texte aus Politik und Wirtschaft, sondern darum, Geschichten zu teilen, in welchen die eigenen Lebenserfahrungen reflektiert werden.

 

„The Good Immigrant“ wurde von Unbound veröffentlicht und ist in englischer Sprache über Amazon oder in gut sortierten Buchhandlungen erhältlich.