Black Austrian Awards 2018

An the Winners are here on the picture - ©Drago Palavra

Bei den Black Austrian Awards verliert niemand – Community Empowerment

Gestern wurde mit den Black Austrian Awards 2018 das freshTIVAL  in der Brunnenpassage eröffnet.  das fresh Magazin hat Schwarze österreichische Persönlichkeiten und Gruppen verliehen, die sich mit ihrer Arbeit in den Kategorien Business, Community Empowerment, Entertainment, Kunst und Kultur, Medien, Politisches Engagement, Sport, Social Media und Wissenschaft im Jahre 2017 hervorgehoben haben, ausgezeichnet. Fünfzehn Personen in neun Kategorien.

Hier sind sie alle.

BUSINESS

  • AFRIEURO TEXT – Die erste Afrikanische Buchhandlung in Österreich

Dr. Daniel Romuald Bitouh & Team

Zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs wurde eine afrikanische Buchhandlung am 29. Juni 2017 in Wien eröffnet. In der Lassallestrasse 20, im zweiten Wiener Bezirk, nur drei Kilometer von den Wiener Vereinten Nationen stadteinwärts entfernt, liegt AFRIEUROTEXT. Das ist der Name der Buchhandlung, deren Besitzer der aus Kamerun stammende Literatur- und Kulturwissenschaftler und am Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien tätige Dr. Daniel Romuald Bitouh ist. Ausgezeichnet wird er in der Kategorie Business, weil diese Idee in Zeiten der Omnipräsenz des Internets und der Digitalisierung sehr mutig ist.

Laudatorin Louise Deiniger (r) und Romuald Bitouh, Preisträger

  • KIDS OF THE DIASPORA

Das Modelabel „Kids Of The Diaspora“ entstand aus einem Awareness-Projekt, das eine stärkere Sensibilität gegenüber Einzelpersonen mit verschiedenen ethnischen Hintergründen fördern soll. Das 2016 von der Wiener Art Directrice Leni Charles, die selbst Wurzeln in Nigeria hat, gegründete Label will mit Kleidung Brücken bauen und findet bereits Anklang bei Vienna Finest Mahir Jahmal, sowie der Berliner Musikerin Joy Denalane.

 

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Leni Charles von Kids Of the Diaspora und Laudatorin Faika El-Nagashi

 

COMMUNITY EMPOWERMENT

  • AFRO RAINBOW AUSTRIA

Afro Rainbow Austria (ARA) ist die erste Organisation von und für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans und Intersexuelle Menschen (LGBTIQ) aus afrikanischen Ländern, die in Österreich leben. Offiziell wurde sie am 18. Mai 2018 in den Räumlichkeiten des Wiener Rathauses gelauncht. Ihre Obfrau ist die aus Nigeria stammende Henrietta Dennis. Sie ist auch die allererste Schwarze U-Bahn Fahrerin Österreichs.

Henrie Davis mit Mikrophone und das Afro Rainbow Austria Team

  • WE DEY x space

WE DEY x space ist ein selbstorganisierter Kunstraum in Wien, der die Kunst- und Kulturproduktion von Queer/Trans*/Inter/Black People/People of Color verstärkt. WE DEY zielt darauf ab, marginalisierte Stimmen und Perspektiven, sowie das Wissen und Erfahrungen aus verschiedenen Diasporas zu bündeln. WE DEY x space veranstaltet Ausstellungen, Workshops, Küchentischgespräche und Filmvorführungen zu den Themen dekoloniale Kunstproduktion, Community, Self-Care und Empowerment.

Laudator Ossiri Gnaore (L) und WE DEY x space Team: Aboako Boafo (l) & Esther Ojo (r)

 

ENTERTAINMENT

  • LOLLIPOP by FGM

Lollipop ist eine Clubbing Idee, die im Jahre 2011 entstanden ist. Das Ziel ist es alle Menschen – nicht nur AfrikanerInnen – dazu zu begeistern, sich mit der schwarzen Kultur in musikalischer Form auseinanderzusetzen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hat sich die Idee und ihre Bedeutung für den kulturellen Austausch bewährt und wird daher ausgezeichnet. Tope Oladunjoye, ein Wiener mit nigerianischen Wurzeln ist der erfinder und Master of Ceremony von Lollipoo by FGM

Das Lollipop Team mit Tope Oladunjoye (L)

 

 

  • OLA EGBOWON

Ola Egbowon, geboren in Lagos, Nigeria, wuchs mit Musik als ständiger Begleiter auf. Sein Vater war klassischer Tenor, seine Mutter verliebt in die traditionelle nigerianische Volksmusik, Yoruba. Im Alter von acht Jahren entdeckte Egbowon den Motown-Sound und damit seine Vorbilder Marvin Gaye und Stevie Wonder. Nach einer Gesangsausbildung und vielen internationalen Auftritten lebt er heute in Wien und arbeitete bereits mit Künstlern wie Timna Brauer, Hansi Lang, Gary Lux, Monika Ballwein und Thomas Rabitsch zusammen. Er wird als die Soul Stimme Österreichs bezeichnet.

KUNST & KULTUR

FILM

  • DAVID WURAWA

David begann seine berufliche Schauspielausbildung in der Neighborhood School of Theater (USA), bei Act UP (UK), beim The Actors Centre (UK) und in der Londoner Hochschule für Medien, Film & Television (UK). Gemeinsam mit dem Lifetime Achievement Award Gewinner Franco Nero erschien er als „Thomas James“ in New Order, geschrieben und unter der Regie von Marco Rosson. Seit 1989 ist er im Film und Theaterbereich aktiv. Aktuell ist er der am meisten ausgezeichnete Schwarze Schauspieler Österreichs. Von 2009 bis 2018 hat er u.a. für ORF, ZDF, ARD, SAT 1, BR in 18 Spielfilmen, TV Filmen, Kurzspielfilmen und TV Serien gespielt. Das sind 2 Spielfilme pro Jahr.

David Wurawa (L) und Laudatorin Adeline Ndjeutie

 

LITERATUR

  • FISTON MUJILA MWANZA

Er ist mit dem Peter-Rosegger-Literaturpreis 2018 ausgezeichnet

Als Kind dachte Fiston Mwanza Mujila er sei schwanger, wenn er viel Wasser getrunken hatte. Dann glaubte er, der Kongo-Fluss sei in seinem Bauch. Heute hat Mwanza Mujila oft das Gefühl mit einem Text schwanger zu sein, gebären muss er ihn mit dem Mund. Eigentlich wäre Mwanza Mujila gerne Saxofonist geworden, doch in seiner Heimatstadt gab es keine Musikschule und niemanden, der ihm das Spielen beibringen konnte. Also machte er kurzerhand die Sprache zu seinem Instrument. Seine Texte komponierte er wie ein Jazzmusiker und gab sie an öffentlichen Orten zum Besten: Auf der Straße, in Bars oder am Bahnhof. Von daher kommt auch seine einzigartige Vortragsweise: Lachend, schreiend, singend. (ORF, Ö1).

Fiston Mujila Mwanza (r) und Ishraga Hamid (Laudatio)

Fiston Mujila Mwanza (r) und Ishraga Hamid (Laudatio)

 

TANZ

  • REBECCA HORNER

Sie wurde 1989 in Wien geboren und begann mit vier Jahren zu tanzen. Als Schülerin spielte sie nebenbei in Fernsehfilmen wie „Mein Opa ist der beste“ mit. Seit Februar 2017 ist sie Ballettsolistin an der Wiener Staatsoper. Für das Neujahrskonzert 2018 tanzte sie mit Roman Lazik im Hietzinger Hofpavillon. Die derzeit 28-Jährige ist quasi (warum „quasi“? Ich würde das weglassen.) die ranghöchste Österreicherin im Ballett-Ensemble der Staatsoper.

Rebecca Horner (r) mit Lydia Nittnaus (Laudatorin)

 

MEDIEN

  • STEFAN LENGLINGER

Stefan Lenglinger wurde 1993 in Wien geboren. Sein Vater stammt aus Österreich, seine Mutter aus Ghana. Lenglingers Identität ist bis heute geprägt durch das internationale Umfeld, in dem er aufwuchs, Englisch ist neben Deutsch seine zweite Muttersprache. 2012 begann er das Studium Journalismus und Medienmanagement an der FH der Wirtschaftskammer in Wien, nach dem Bachelor ein Masterstudium (Internationale Entwicklung) an der Universität Wien. 2015 absolvierte er ein viermonatiges Praktikum für die ORF-Sendung „Bürgeranwalt“. Seither ist Stefan Lenglinger in der Redaktion als freier Mitarbeiter tätig. Zudem berichtete er für die Sendung „Report“ und arbeitete im Korrespondentenbüro in den USA in Washington.

Stefan Lenglinger und Schwester….

 

POLITIK

  • MIREILLE ADIET NGOSSO

Die 37-jährige Ärztin Mireille Ngosso ist die einzige afro-österreichische Vize-Bezirkschefin der Stadt. Österreichweit ist sie auch die erste Schwarze Österreicherin, die in der SPÖ so eine hohe Position erreicht hat. Mireille wurde 1980 in der Demokratischen Republik Kongo geboren. Als sie drei Jahre alt war, flohen ihre Eltern mit ihr nach Wien. “Wir haben sehr viel Hilfe durch die Bevölkerung erhalten, aber auch von der Kirche und der SPÖ”, erzählte Ngosso. “Es war für mich nicht immer eine einfache Zeit, aber eine schöne Zeit.” Für die Politik interessierte sie sich schon früh. Als Kind habe sie ihren Vater zu Hausbesuchsaktionen begleitet. Seit 2010 ist sie in der Wiener SPÖ aktiv. Ngosso studierte Medizin und arbeitet als Turnusärztin im Krankenhaus Hietzing. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.

Black Austrian Politik Awards

Laudatorin Beverly Allen-Stingeder (L) überreicht den Preis an Mireille Adiet-Ngosso

 

SPORT

SABRINA WANJIKU SIMADER

Sabrina Wanjiku Simader und ist die erste kenianische Ski-Rennläuferin im Weltcup. Sie ist 19 Jahre alt, in Kenia geboren und lebt seit ihrem 3. Lebensjahr mit ihrer Mutter in Österreich. Ihr Stiefvater hat am Hansberg, nördlich von Linz, einen Ski-Lift betrieben und dort hatte sie mit 3 Jahren zum 1. Mal Schnee gesehen. Mit 5 Jahren ist sie ihr allererstes Skirennen gefahren und wurde Dritte. Mit der Unterstützung einer crowdfunding Initiative nahm sie heuer an den Olympischen Winterspielen teil. Da sie derzeit sehr hart in Tirol trainiert, konnte sie leider nicht kommen. Sie hat uns aber glücklicherweise eine Videobotschaft geschickt.

 

 

 

WEB & SOCIAL MEDIA

CHRISTIANA OGUNFOJURI alias CHRISTL CLEAR

In Österreich ist sie eine der ersten schwarzen Lifestylebloggerinnen mit enormen Reichweite. Sie schreibt und spricht zum Beispiel über ihre Hautfarbe, ihre Beziehung, ihr Dasein als Frau oder über andere Themen, über die die meisten sagen würden „Coole G’schicht! Passt aber gerade nicht!“. Ihre 11.300 Instagram Followers lässt sie nicht nur in eine Welt von Mode und Lifestyle eintauchen, sondern lässt sie auch an andere Aspekte ihres Lebens teilhaben, wie ihre schöne Schwarze Hautfarbe und ihre lockigen Haare. Damit transportiert sie sehr selbstbewusst eine wichtige Botschaft zum Thema „Leben von Schwarzen“ an die weite deutschsprachige Welt. Begonnen zu bloggen hat sie vor sechs Jahren. Sie ist derzeit die erste Schwarze Web „Influencerin“ Österreichs.

  • DENISE VANDECRUZE

Von der virtuellen zur realen Welt

Black People in Vienna“ wurde von Denise VanDeCruze im Herbst 2015 als soziale Gruppe gegründet, um schwarze Menschen miteinander zu verbinden. Die Gruppe zog Aufmerksamkeit auf sich und wuchs auf Facebook sehr schnell. Mittlerweile werden mehrere regelmäßige monatliche Treffen veranstaltet, darunter ein Filmabend, ein Frauenbrunch und ein After-Work-Mixer. Die Gruppe trifft sich auch zu besonderen Anlässen und Konzerten. Frau VanDeCruze ist außerdem sehr aktiv in der Austrian WordPress Gruppe und hält mehrere Vorträge zu diesem Thema im In- sowie im Ausland.

Denise Van De Cruze (r) und Felix Okon (Laudator)

 

WISSENSCHAFT

  • BELINDA KAZEEM-KAMINSKI

Preis nimmt ihre Vertreterin Esther OJO entgegen.

Belinda Kazeem-Kaminski ist Kulturtheoretikerin, freie Autorin und Teil der Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart. Sie hat ein Studium der Internationalen Entwicklung an der Universität Wien abgeschlossen. Heute lehrt und forscht sie an der Akademie der bildenden Künste Wien und arbeitet als Autorin, Kulturtheoretikerin und Künstlerin. 2016 wurde sie mit dem Theodor Körner Förderpreis ausgezeichnet. Seit Jahren versucht sie Rassismus in Österreich systematisch auf die Spur zu kommen und dessen Wurzeln offenzulegen – so auch in ihrem aktuellen Forschungsprojekt, für das sie am 9. Juni 2017 ein DOC-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erhalten hat. Mit dem Stipendienprogramm DOC fördert die ÖAW hoch qualifizierte Dissertant_innen aus allen Gebieten der Forschung. Die Stipendien, die in kompetitiven Ausschreibungen vergeben werden, ermöglichen Nachwuchswissenschaftler_innen, sich in konzentrierter Weise und mit klarem zeitlichen Rahmen ihrer Dissertation zu widmen.

 

Esther OJO nimmt den Wissenschaftspreis entgegen